Full text: (Neueste Folge, Band 6 = 1837, No 17-No 24)

20 1 Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
Diät etc, In der Regel aber sind Herzleiden weit öfter, Jän- 
gere Zeit wenigstens, ohne Qualen da, als mit denselben 
und viele Qualen am Herzen sind ohne organische Fehler des- 
selben häufiger, als mit ihnen. Dann tödten letzte gewöhn- 
lich sehr rasch, ohne dass man ein Mal beim Tode an sie 
denkt. Wie täuschend indess Herzfehler durch andere Uebel 
vorgespiegelt werden, sieht man bei Hysterischen, Hypochon«- 
dristen, Hämorrhoidarien etc. Wie oft wird nicht ein so furcht- 
bares Herzklopfen, das förmlich tönt und auf Polypen, Ver- 
knöcherungen und Erweiterungen schliessen lässt, förmlich ab- 
geführt, und von Winden fortgetragen! Doch zur 
Sache. Vor Kurzem las M. einen von Horn erzählten Fall, 
in dem man bei einem Manne, der in der letztern Zeit des 
Lebens sehr bedeutende Brust - und Herzleiden empfunden , den 
Aortenbogen innerlich mit Knochenschuppen besetzt fand. Das- 
selbe beobachtete M. bei einem Schauspieler, der stets ein rü« 
stiger Jäger, nie krank, lustig und mehr als 50 Jahre alt, auf 
einer starken Fussreise todt auf der Strasse umgefallen war. 
Das Innere des nebenbei noch sehr erweiterten Aortenbogens 
glich einem Schuppenpanzer. Die Lungenarterie war dabei ver- 
knöchert, das Herz gross, derb, fleischig und die Lungen sehr 
blutreich. Der Mann hatte nie über irgend eine Empfindung 
im oder am Herzen, nie über Herzklopfen, Asthma und Luft 
mangel geklagt und er starb auch wohl nur 80 plötzlich, weil 
sich eine grosse Knochenschuppe losgemacht hatte und in die 
halbmondförmigen Klappen gerathen war, wo sie M. bei der 
Section fand. Der schärfste, mit allen Stethoscopen der Welt 
bewaffnete Diagnostiker würde bei diesem jovialen, derken Jäger 
kein organisches Herzleiden vermuthet haben, — Im Anfange 
dieses Jahres starb ein Mann, der früher viel gesessen hatte, 
später sich den Geschäften entzog und viele Jahre unabhängig 
lebte, Er war in Lübeck 24 Jahr, ohne krank zu seyn, bis 
er im December v. J. die Grippe bekam, die er ohne Arzt ab- 
machte, Gegen den Verf. klagte er am 4. Jan. nur über 
„„Mattigkeit der Brust‘ — setzte aber seine Lebensweise noch 
einige Tage fort. Am 7, war ef indess so matt, dass er sich 
kaum rühren konnte und so ging es bis zum 11. immer mehr 
bergab, aller Mittel ungeachtet und ohne weitere Klage starb 
Pat. in der Nacht auf den 12. Bei der Section fand M. die 
Lungen ganz undurchgänglich, hepatisirt, theilweise verwach- 
sen, doch weder Wasser in der Brust, noch im Herzbeutel, 
weder Eiter dort, noch Bluterguss und nichts, was auf vorher» 
gegangene Entzündung gedeutet hätte, sondern nur die Lungen- 
substanz zusammengefallen, mit einem Worte: undurchgäng- 
lich. Und woher kam das? In der rechten Herzkammer 
wurzelte ein Polyp: kein Gerinnsel von Faserstoff, kein wei- 
ches Concrement, kein Analogon der Crusta pleuritica — son-
	        
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