Full text: (Neueste Folge, Band 6 = 1837, No 17-No 24)

14 1 Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
und die gute Wirkung dauerte nicht lange. Die Geschwüre 
verschlimmerten sich wieder, es bildeten sich neue Krusten auf 
denselben und unter diesen Jauche, welche eine Zerstörung in der 
Breite hervorbrachte, Ohne besondern Erfolg wurde jetzt noch- 
mals der Graphit nach Dzondi, in Verbindung mit Calomel, 
Goldschwefel und Dulcamara innerlich, und derselbe mit Zin- 
cum oxydatum album äusserlich angewandt. Man beschloss 
daher ein Mittel zu gebrauchen, dessen Wirkung vorzugsweise 
auf das Iymphatische und Hautsystem gerichtet ist, nämlich den 
rothen Präcipitat mit Stibium sulphuratum nigrum in Form der 
Bergschen Pulver. Der Kranke wurde durch einige Jauwar- 
me Wasserbäder dazu vorbereitet und begann nach der Vor- 
schrift Bergs mit ; Gran Quecksilberoxyd und 58 Stibium 
sulphuratum nigrum; er nahm täglich 2 Dosen und stieg mit 
dem Oxyd bis auf & Gran pro dosi, während er bei 5 des 
Schwefelspiessglanzes stehen blieb. Zum Getränk erhielt er 
concentrirte Decocte der Species kignorum mit Sassaparilla unı! 
musste bei sparsamer Diät das Bett hüten, äusserlich wurde nur 
aqua calcis angewendet. Der Erfolg war auffallend günstig, 
das Leiden neigte sich entschieden zur Besserung, aber der 
Kranke bekam einen heftigen Ptyalismus. Die Krankheit ver- 
schlimmerte sich nun nicht mehr, ob der Patient gleich 6 Wo- 
chen nichts gebraucht hatte, und dies bewog S. diese Kur noch 
einmal zu beginnen und consequent durchzuführen. Jetzt stieg 
er nicht nur bis zur Höhe von + Gran pro dosi hinauf, son- 
dern auch wieder ganz hinunter bis zu + Gran, und speichelte 
während der Kur anhaltend und heftig. Zur grossen Freude 
des Patienten und der Aerzte vernarbten nicht nur alle Ge- 
schwüre, sondern auch die Tuberkeln erweichten, zertheilten 
sich und verschwanden, die geschwollene Oberlippe wurde 
dünn, die Haut und Gesichtsfarbe blass, die Extremitäten be- 
weglicher und man konnte den Mann als geheilt betrachten. 
3 Jahr nach der Kur stellte er folgendes Bild dar: der Körper 
wohlgenährt, kräftig und in vollkommner Harmonie aller Func- 
tionen. Die Steifigkeit und Unbeweglichkeit der Gliedmassen 
war vollständig beseitigt, die Tuberkein im Gesicht waren ei- 
ner fleischfarbenen, etwas ins Violette spielenden Haut gewi- 
chen; die Nasenwurzel vernarbt, die Oberlippe von normaler 
Form und Dicke, die Unterlippe durch eine Hautfalte, die sich 
zwischen ihr und dem Kinn gebildet hat und das Ansehen ei- 
ner Narbe von einer Brandwunde hat, heruntergezogen und et- 
was nach aussen gestülpt. Die Narben an den Extremitäten 
waren jenen sehr ähnlich, welche nach tiefen und ausgebreite- 
ten Verbrennungen zurückgeblieben sind; sie sahen an einzel- 
nen Stellen weiss, an andern violett-bläufich aus, fühlten sich 
an einigen sehr dünn, an anderen schwielig an, und die Haut
	        
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