Full text: (Neueste Folge, Band 6 = 1837, No 17-No 24)

i. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 7 
(Reaction) auftritt, der zur Durchführung des Ausscheidungs= 
processes hinreicht, wenn Centralorgane und ausscheidende Or- 
gane selbst von Localfehlern frei sind und keine zufälligen Stö- 
rungen eintreten, so ist Heilung ohne alle positive Bei-= 
hülfe der Kunst möglich und erfolgt auch wirklich sehr oft 
so allein, selbst dann noch, wenn erhebliche Schwierigkeiten 
und ungünstige Umstände in den Weg treten, Unter diese ist 
denn auch ungeschickte oder allzugeschäftige Behandlung zu 
rechnen und der alte Spruch: . dass die Naturheilkraft oft zwei 
Feinde zugleich, Krankheit und Arzt besiege, bestätigt sich 
zum Glück der Kranken oft genug. Daher die tägliche Erfah- 
rung, dass Krankheiten oft auf den verschiedensten Wegen und 
durch ‘die verschiedensten Methoden geheilt werden. Daraus 
folgt aber noch nicht, dass Beihülfe der Kunst überhaupt ent- 
behrlich, oder dass die Wahl der Methode und Mittel gleich- 
gültig sei. Wie der Geburtshelfer zuerst die natürliche Geburt 
kennen lernen muss, so muss auch der Arzt zuerst den natür- 
lichen Verlauf der Krankheiten studiren. = So wenig aber die 
Geburtshülfe überflüssig ist, weil die Natur sehr oft die Geburt 
ohne künstliche Mittel beendigt, so wenig ist es der Arzt, 
wenn er in gewöhnlichen Fällen blos den natürlichen Verlauf 
der Krankheiten zu regeln. und zu erhalten sucht, übrigens aber 
nur _den Beobachter macht. Sein Geschäft besteht darin, We- 
sen und Richtung der Krankheit zu erforschen, nachtheilige 
Einflüsse und Hindernisse. abzuhalten und zu beseitigen und zu 
rechter Zeit die: Naturbestrebungen zu unterstützen. Diese 
Zwecke rechtfertigen ganz die althergebrachte Methode: zuerst 
Alles aus dem Wege zu räumen, was den natürlichen Verlauf 
hemmt oder stört, danu aber im ersten Zeitraum besänftigende 
und kühlende Mittel anzuwenden, im zweiten die Kkriti- 
schen Ausscheidungen zu unterstützen und im dritten die Aus-= 
leerungen zu befördern. Wird aber die Heilung oft auf ganz 
verschiedenen Wegen erreicht, so folgt daraus wieder noch 
nicht, dass sie entweder alle falsch, oder alle gleichgültig sind, 
Denn theils giebt es allerdings verschiedene Wege, die zu 
demselben Zwecke führen, theils aber müssen in jedem einzel- 
nen Falle Erfahrung und Beobachtung entscheiden, welcher der 
kürzeste und sicherste sei, Es giebt aber mannigfaltige Abwei- 
chungen von diesem natürlichen Verlaufe der Fieber, von de- 
nen hier zwei: der entzündliche und der typhöse Zustand und 
zwar beide nur soweit, als zur Berichtigung einiger,‘ wohl 
ziemlich allgemein yerbreiteter Irrthümer nöthig ist, betrachtet 
werden sollen. Man fehlt nämlich zuerst darin , wenn man beide 
Zustände als polarisch verschieden, oder als absolute Gegen- 
sätze betrachtet, die einander ganz ausschliessen und nur auf 
entgegengesetzten Wegen bekämpft werden dürfen. Diese nur 
scheinbar consequente, an sich aber einseitige, oder nur halb-
	        
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