Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 3 
bei Pneumonieen hervor. Die besten Practiker hielten von je 
den Aderlass für das Summum remedium in Pneumonieen. Sie 
hatten vollkommen Recht, dem. Aderlasse so viel Werth beizu- 
legen; aber man ‚ging offenbar zu weit, selbst die Möglichkeit 
einer Heilung ohne Blutentleerung zu bezweifeln. Die Erfah- 
rung hat den Verf, davon überzeugt. Catarrhalische Lungen- 
entzündungen enCigten gewöhnlich mit Zertheilung; nicht immer 
war ihr Verlauf schleppend, sondern die Entscheidung oft rasch 
und ausser den gewöhnlichen Krisen mit starken Schweissen 
verbunden, die man wohl mehr der Natur, als einer schwachen 
Gabe Roob Sambuci zuschreiben musste. Einige auffallende 
Beispiele anzuführen, dürfte nicht überflüssig seyn: für ihre 
Wahrheit steht W. Ein robuster 2ljähriger Bursche hatte 
schon oft an Seitenstechen und Catarrhen gelitten. Den 7. Oct. 
1829 bekam er nach Erkältung Husten und starke Athmungs- 
beschwerden, Als ihn W. am 8. sah, zeigte er eine ausge- 
bildete Pleuropneumonia catarrhoso -rheumatica mit häufigem, 
trocknem Husten und blutig gefärbtem Auswurfe, Ausser den 
gewöhnlichen Umschlägen erhielt er Dec. Althaeae mit Roob 
Sambuci und Nir, Am 3. Tage waren schon deutliche Kri- 
sen, vorzüglich durch allgemeine erleichternde Schweisse zu be- 
merken. Sie dauerten bis zum 13, fort, an welchem Tage 
Pat, fieber- und schmerzenlos war, Den 14. wurde er geheilt 
entlassen. Die Krankheit währte also nur 7 Tage. Etwas 
Jangsamer verlief sie bei einem andern gleichen Alters, aber 
schwächlicher Constitution. Er erkrankte zur nämlichen Zeit, 
vernachlässigte aber sein Leiden durch einige Tage, Unter den 
Symptomen einer catarrhalischen Pneumonie eminirte die Ath- 
mungsbeschwerde, Die Verordnung glich der im vorigen Falle, 
Auch hier erfolgten die Krisen durch starke Schweisse. Die 
übrigen Entscheidungen waren dagegen unbedeutend. Nach 14 
Tagen war der Kranke ganz hergestellt. Diese Fälle von 
glücklicher Heilung ohne einen Tropfen Blut zu entziehen, kön- 
sen ein Licht auf jene homöopathische Curen werfen, die durch 
einige Gaben Aconit die heftigsten Pneumonieen gleichsam er- 
stickten. Nicht die Atome Aconit, denen die Eitelkeit des Arz- 
tes die Genesung zuschrieb, sondern der Mangel an Reizen war 
es, wie Tommassini sagt, durch den der Krankheitsprocess 
erlosch, Auch können einzelne Fälle Hunderten nicht die Wage 
halten, in denen Pat, stirbt. — VUebler als mit der catarrhali- 
schen Pneumonie stand es mit der phlegmonösen. Einer gewal- 
tigen Blutscheu ungeachtet griff man zuweilen zum Aderlasse ; 
sonst endete sie oft mit Hepatisation oder Phthisis. Wirklichen 
Brand sah W. nie und wo man ihn auch am Krankenbette ver- 
muthete, zeigte die Section Verhärtung der Lungensubstanz. Un- 
ter den Phlogosen der Unterleibsorgaue verliefen Hepatitis und 
Metritis durchschnittlich am günstigsten, ohne Störungen oder 
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