Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

80 11. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
sind die durch Wahnsinn geheilten Schwindsuchten. Umgekehrt 
kann auch Brustkrankheit zu altem Hirnleiden entweder zufäl- 
lig, oder als letztes Stadium hinzutreten. Wahnsinnige sterben 
oft phthisich, So verlor Andral zwei Kranke, die seit vielen 
Jahren Zufälle einer schweren Hirnkrankheit gehabt hatten, wel- 
che die Section als Atrophie der Hemisphären nachwies. 3) 
Mitunter kann vielleicht Störung der Respiration und Circula- 
tion in den kranken Lungen den Rückfluss des Bluts aus dem 
Kopfe hemmen und so zu Congestionen, Blut- und Wasserer- 
giessungen im Hirne Veranlassung geben, wie dies bei Herz- 
krankheiten, Hydrothorax, Asthma, selbst beim Keuchhusten 
nicht ungewöhlich ist, Bei Phthisis möchte es seltener seyn, 
da durch Hectik der Ueberfluss an Blut consumirt und nur eine 
geringere, mit der Capacität der Lungen im Verhältniss stehende 
Quantität übrig gelassen wird. 4) Wenn das hectische Fie= 
ber sehr heftig ist, kann es unter Begünstigung bestimmter in- 
dividueller oder epidemischer Verhältnisse den Character eines 
acuten Nervenfiebers, eines wahren Hirntyphus annehmen, der 
in der Regel, unter Zurücktreten des Respirationsleidens, tödt- 
lich endigen wird. Die meisten von Storer’s Kranken gehö- 
ren hierher: bei Allen war das Zehrfieber seit längerer Zeit 
sehr ausgebildet, als heftiger Kopfschmerz mit Uebelkeit und 
Neigung zum Erbrechen erschien. Dazu fanden sich Klopfen 
im Kopfe, Röthung des Gesichts und der Augen, wilder ver- 
worrener Ausdruck des Gesichts, Delirien, ein bis auf 120— 
130 Schläge beschleunigter Puls, kurz alle Charactere eines 
entzündlichen Hirnleidens. Allmählig trat Schläfrigkeit, - dann 
Coma ein, der Puls sank auf 70— 80 Schläge und die Kran- 
ken starben, nachdem die Hirnkrankheit 2—4 Wochen ange- 
halten hatte. Andral beobachtete einen 18-jährigen Schnei- 
der, bei dem plötzlich entstandenes Kopfweh schnell in eine höchst 
acute Febris nervosa versatilis übergegangen war, die nach 
einigen Tagen tödtlich endete: die Lungen waren voller Tuber- 
keln und grossen Eiterhöhlen und Hirn und Därme waren nur 
stark injicirt. Denselben Zustand beobachtete H. bei 2 Schwind- 
süchtigen. KEiner starb im Nervenfieber, das ganz wie ein idio- 
pathisches acutes verliet, ohne Brustbeschwerden; der Andere 
wurde vom Nervenfieber nach 4—6 Wochen hergestellt und 
schien Convalescent, :als die Zufälle der Phthisis wieder her- 
vorbrachen, die bald zum Tode führten. Höchst selten kanp 
die Natur neben dieser intercurrenten Krankheit und durch die- 
selbe auch den Consumtionsprocess in den Lungen überwinden 
Storer stellte einen Kranken, dessen Schwindsucht vorher 
schon sehr weit gediehen war, durch Aderlass, Purganzen 
und Mercur bis zur Salivation vom Nervenfieber her und der- 
selbe blieb nachher gesund, 3) Endlich kann auch bei Phthi« 
sikern eine ächte, idiopathisch-organische Hirnkrankheit sich
	        
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