Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

2 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
diese einfache Behandlung den Vorzug, dass die Reconvales- 
cenz ungemein kurz war. Da der Körper vom Arzte sehr ge- 
schont wird,.so gelang es der Natur leicht, das Verlorne wie- 
der zu ersetzen und die Norm zurückzuführen. Uebergang in Ady- 
namie, besonders im Nervenfieber, war entschieden seltener und 
war nach heftigen Entzündungen indirecte Schwäche eingetre- 
ten, so erholten sich die Kranken daraus offenbar schneller, als 
wenn starke Blutentleerungen Vorausgingen. Den Ausgang an- 
langend, so zeigten sich Blutentleerungen seltener unentbehrlich, 
einen unmittelbaren tödtlichen Ausgang, als manche Nachübel 
zu verhüten. Im Ganzen war die Voraussage bei starken, 
jugendlichen Individuen weit besser, als bei schwächlichen und 
abgelebten oder deren afficirtes Organ schon früher gelitten hatte: 
war bei Ersteren die Entzündung auch stürmischer, so kam es 
doch leichter zur völligen Entscheidung, bei Letzteren aber 
öfter nur zu Pseudocrisen und Nachübeln, — Unter allen Phlo- 
gosen verliefen die häutiger Organe, besonders der Pleura und 
des Peritoneum am glücklichsten: sie wurden in den zahlreichen 
Fällen, die W. beobachtete, völlig geheilt. Eben so gutartig 
verlief die Angina, die fast nur in Eiterung überging, wenn 
Pat. schon oft daran gelitten hatte und dieser Ausgang habituell 
geworden war, Wenn die rheumatische Gelenkentzündung meh- 
rere Gelenke zugleich ergriff, sah sie W. unter dieser Behand- 
lung weit regelmässiger verlaufen, als unter Anwendung von 
Blutegeln; war sie jedoch auf eines fixirt, so verdienten diese 
den Vorzug. Doch kam in jenen Jahren die Arthritis ano- 
mala nur selten vor. In den bösartigen, kurz nach der Cho- 
lera erscheinenden Fällen von Arthritis vaga liessen sich Ader- 
lässe nicht entbehren. Nicht so erfreulich waren die Resultate 
bei Entzündungen edier Organe. Vor Allem nahm Encephali- 
tis meist eine unglückliche Wendung. Die Kranken starben 
unter Erscheinungen von Lähmung, Hirndruck oder Exsudat, 
Behauptete Quarin von ‚Apoplexia sanguinea, sie könne ohne 
Aderlass nicht heilen, so darf dies mit demselben Rechte von 
Encephalitis gelten, Der Grund liegt ziemlich zu Tage. Ein 
von allen Seiten von fester knöcherner Hülle umgebenes Organ 
kann nicht durch Ausdehnung seines Volumens die Nachtheile 
ausgleichen, die vermehrter Blutandrang unvermeidlich mit sich 
Führt, Eröffnet man bei an Encephalitis Gestorbenen die Schä- 
delhöhle, so tritt das Hirn aus seiner Höhle hervor: ein Be« 
weis, dass ihm diese bei seiner Zunahme an Masse zu eng 
wurde, Daher schon die bedeutende Störung der Functionen 
durch blossen Druck der umgebenden Knochen und die wich- 
tige Rolle, welche kalte Umschläge bei Hirnleiden spielen, wäh=- 
rend man bei allen andern Phlogosen die feuchte Wärme vor- 
zieht. Glücklicher verlief mässige Enteritis; hei heftigerer liess 
man zur Ader, WUngleich energischer trat die J/is medicatrix
	        
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