Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

50 IV. Gynäkologie und Pädiatrik, 
nen der Frau Adametz aus des Verfs, Abhandlungen aus 
dem Gebiete der Geburtshülfe sattsam bekanut seyn, er über- 
geht daher dieselben, SO weit dies möglich seyn wird. Es 
waren fast 10 Jahre seit der ersten Entbindung‘ vergangen und 
4 Jahre seit der letzten, als Frau Adametz sich wieder zur 
Aufnahme ins Gebärhaus meldete. Schon seit dem Tode des 
Kindes im Nov. 1832 hatte sie sehnlichst gewünscht, wieder 
Mutter zu werden und diese Sehnsucht hatte alle Furcht vor 
der Operation bei ihr überwunden. Nach Ausbleiben der Men- 
struation glaubte sie dies Mal Ende Mai niederzukommen, rech- 
nete indess nach der ersten fühlbaren Bewegung etwas weiter, 
Anfang Aprils wurde sie ins Gebärhaus aufgenommen, um sie 
später der beschwerlichen Reise von 12 Meilen nicht auszu- 
setzen. Anfangs war sie niedergeschlagen, hatte Heimweh und 
Fürchtete sich sehr vor dem, was ihr bevorstand, als sich aber 
die Niederkunft lange verzog, wuchs ihr Muth, doch auch ihre 
Ungeduld. Die Ausdeh: <ag des Leibes war der in der vori- 
gen Schwangerschaft ähnlich und die sackförmige Ausdehnung 
des Uterus und der Bauchdecken über dem Schambein, wie 
früher, zugegen, doch machte eine Leibbinde mit Tragbändern 
die Last erträglich. Aeusserlich fühlte man stets kleine Kin- 
destheile in der Mitte zwischen Nabel und Herzgrube, meist 
nach links (Füsse); grössere nach rechts (Steiss); unten aber 
konnte man durch die Narben nichts deutlich unterscheiden, 
Der Muttermund war zu Anfange dieser Zeit ganz wie bei ei- 
ner Erstgebärenden, in den letzten Wochen der Schwanger- 
schaft aber war er ganz eigenthümlich gestaltet: es verlor sich 
nämlich die Vaginalportion völlig, doch wurde die Umgebung 
des Muttermundes durchaus nicht verdünnt und derselbe öffnete 
sich nicht, wie beides bei Erstgebärenden vorzukommen pflegt, 
und so war er sehr schwer zu erkennen und fühlte sich etwa 
wie die Wunde eines Troiquarts an, die sich ganz wieder zu- 
sammen gezogen hat. Kindestheile fühlte man innerlich nicht, 
Von Anfang Junis stellten sich Nachts wehenartige Schmerzen 
ein und dabei wurde die alte Narbenstelle, die in dieser 
Schwangerschaft überhaupt sehr emplindlich war, schmerzhaft, 
Auch am Tage fanden sich diese Schmerzen vor und Härte 
des Uterus, so wie Krauswerden der Narbe zeigten, dass sie 
von wirklichen Zusammenziehungen des Uterus abhingen. Sie 
waren oft so häufig und stark, dass man hätte an den Anfang 
der Geburt glauben können, wenn nicht der Muttermund dabei 
ganz unverändert geblieben wäre, Mitte des Monats, als es 
schr warm war, erkältete sich die Frau und bekam stossenden, 
sehr schmerzhaften, mit wenig Auswurf verbundenen Husten, 
der den Verf. um so‘ mehr besorgt machte, als gerade der 
Keuchhusten, selbst bei Erwachsenen, herrschte. Sulph. antim. 
aur., Extr. hyosc. und Vesicator blieben erfolglos, weshalb die
	        
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