Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

IM, Chirurgie und Ophthalmologie, 
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Fuss hohen Mauer auf die ausgestreckte linke Hand und zog 
sich einen Splitterbruch des untern Endes der Speiche zu. Nach 
einigen Stunden wurde dem Verwundeten ein Verband ange- 
jegt, der aber nach 48 Stunden schon wieder gelöst werden 
musste, da bedeutende Schmerzen und starke Geschwulst ein- 
geireten waren, Aderlass und kalte Umschläge wurden ange» 
wandt; indessen hatte sich schon am 19. Brand eingestellt und 
Fomentationen aus Chlorkalk und brenzlichem Holzessige ver- 
mochten nicht, denselben aufzuhalten, Als sich der Arzt ar 
22. wieder zum Kranken begeben wollte, verbat sich dieser 
weitere Besuche und hlieb nun ohne ärztliche Hülfe bis zum 
19. Sept., wo F. zu ihm gerufen wurde, Dieser fand den 
Arm in eine faulige, übel riechende Masse verwandelt; die 
Grenzlinie, wo der Brand still gestanden hatte, bildete auf dem 
KRumpfe über die Schulter hinweg einen Kreis von 6—7 Zoll 
Durchmesser, dessen Mittelpunct von dem Halse des Oberarm- 
knochens gebildet wurde, Alles innerhalb dieses Flächenraums 
Begrilflene war todt und nur sorgfältige Einwickelung und Be- 
giessung mit Chlorkalkauflösung hatten den Geruch erträglich 
gemacht. Die musculösen Theile, welche das Schultergelenk 
bedeckten und umgaben, waren grösstentheils zerstört, und nur 
die sehnigten Fasern derselben nebst dem Kapselbande verei- 
nigten den Oberarmknochen mit dem Rumpfe, Die Axillarge- 
fässe waren zerstört und die Exarticulation gelang äusserst 
leicht. Nachdem alles Todte entfernt worden war, entdeckte 
F. einen enormen Eitersack, welcher oben an der Basis der 
Scapula ungefähr 6 Zoll breit war und senkrecht, nach unten 
spitz zulaufend, sich bis in die Gegend der zehnten Rippe er- 
streckte. F. entfernte aus demselben ein halbes Quart eines, 
mit vielem abgestorbenen Zellgewebe und Muskelfasern ver- 
mischen Eiters mittelst eines Esslölfels, da derselbe wegen des 
halb getrennten und in die Höhe stehenden Schulterblatts sich 
nicht ausdrücken liess. Dieser Knochen selbst hing noch mit 
dem Schlüsselbeine und einigen wenigen Muskeln zusammen; 
alle seine übrigen zahlreichen Verbindungen waren getrenntz 
von dem Musculus supra- und infraspinatus und subscapularis 
war keine Spur mehr vorhanden und der Knochen selbst ein 
fremder Körper geworden, der am 21. Sept, entfernt wurde, 
Der Eitersack konnte nun sehr leicht durch Druck täglich zwei 
Mal ausgeleert werden und die getrennte Haut legte sich sehr 
gut an die Muskeln an, so dass die Wundfläche um die Hälfte 
vermindert war, Von dem mittlern Theile der zweiten und 
dritten Rippe lagen ungefähr 2 [7]Zoll bloss, welche, wie das 
nun frei hervorragende äussere Drittheil des Schlüsselbeins, mit 
einem geölten Läppchen bedeckt wurden... Die übrige Wund- 
Aäche ward mit trockenem Werg täglich zwei Mal verbunden, 
Da trotz einer gelinden Compression die Vereinigung der Haut
	        
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