Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

I, Chirurgie und Ophthalmologie, 
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ein halbes Pulver zu nehmen. Als er 2 Tage nachher ‚die 
Kranke besuchte, erfuhr er, dass dieselbe aus Missverstand, 
zwei Abende hinter einander, jedes Mal 4 ganze Dosen, also 
täglich 2 Gr. Strychnin genommen hatte. Bald nach dem Ein- 
nehmen war mehrmaliges Erbrechen erfolgt, worauf die heftig= 
sten, der Epilepsie ähnlichen Convulsionen eingetreten waren, 
die bis zum Morgen anhielten. Ein weiterer Nachtheil ent- 
stand nicht und hinsichtlich der Lähmung trat keine Verände- 
rung ein, die auch nicht durch den Fortgebrauch des Strych- 
nins in kleinen Gaben von + Gran herbeigeführt werden konnte. 
(Med. Zeit, vo Vereine fi Heilk., in Pr. 1837. Nr, 23.1 
LI. CHIRURGIE und ÖPHTHALMOLOGIE:. 
291. Fall einer weit verbreiteten Verbrennung; 
von M. R. Dr. Don.norr in Magdeburg. Der Handlungsdie- 
ner VW. 23 Jahr alt, von kräftigem Körperbaue, hatte bei einer 
in Magdeburg ausgebrochenen Feuersbrunst am Morgen des 23. 
Juli. v. J. das Unglück, dass er, mit dem Retten von Sachen 
aus dem brennenden Gebäude beschäftigt, durch den Einsturz 
eines Giebels von brennenden Balken getroffen und theils be- 
deutend verbrannt, theils gequetscht wurde. Nach geschehener 
Verletzung wurde er sogleich nach dem Krankenhause gebracht, 
Von der Spina scapulae an bis abwärts zu den Hinterbacken 
war der Rücken, besonders nach rechts hin, theils mit Blasen, 
theils mit Brandschorfen bedeckt; ebenso der rechte Vorderarm 
und die rechte Hand, weniger der linke Arm. Der ganze 
rechte Oberschenkel war bedeutend gequetscht, angeschwollen, 
blauroth , hart; ‚Unterschenkel und Fuss minder bedeutend ver- 
brannt. Am linken Schenkel fing die Verbrennung ungefähr 
unter dem obern Drittheile des Oberschenkels an und nahm den 
ganzen Schenkel ein, nur die Fusssohlen an beiden Füssen wa- 
ren unverletzt geblieben, Das Gesicht war gleichfalls verbrannt, 
aber nur oberflächlich, es war roth, aufgetrieben und heiss, 
Nicht bloss die Kopfhaare in der Stirngegend, sondern auch die 
Augenbraunen und Augenwimpern waren abgesengt und die 
oberen Augenlider mit Brandschorfen bedeckt. Die nicht ver- 
brannte Oberfläche des Körpers, die sich fast nur auf Brust 
und Bauch erstreckte, war kalt anzufühlen, der Puls sehr klein 
und frequent, das Sensorium vollkommen frei, der Durst heftig, 
die Schmerzensklagen unausgesetzt , vorzüglich über den rech- 
ten Schenkel. Um die Schmerzen zu Jindern, gab D. dem 
Verletzten innerlich Opium, liess das Gesicht und den rechten 
Oberschenkel mit in kaltes Wasser getauchten und die verbrann- 
ten Stellen mit in Leinöl getränkten Compressen bedecken, In
	        
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