Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

II. Materia medica und Toxikologie.‘ 483 
[dass die Spitzen der Haare nahe an das Trommelfell reichten 
und die Glandulas sebac. Iut. berührten. Meist wurde darauf 
die seit längerer Zeit unterdrückte Secretion des Ohrenschmal- 
zes nach Anwendung von höchstens sechs Wochen hervorge- 
rufen und wieder hergestellt. 4) Wo rheumatisch - catarrhali- 
sche Zufälle das Gehörorgan krankhaft afficiren, leisten die 
Haarkügelchen mit anderen zweckmässigen innern Mitteln und 
Dünsten , die in den äussern Gehörgang geleitet werden, herr- 
liche Dienste. Der Verf, bedient sich der Haarkügelchen hier 
imprägnirt mit einigen Tropfen Liq. C. C. succ., auch des Liq, 
ammon. anis. mit einigen Tropfen Wasser verdünnt, 5) Bei 
Erschlaffung des Trommelfells und überhaupt wo-ein amphıbien- 
artiger Vitalitätsprocess im äussern Gehörgange Statt hat, ist 
die Application der trockenen Haarkügelchen, wegen Electrici- 
tät der Haare, als ein die gesunkene vitale Function dieses Organs 
mächtig erweckendes, die Thätigkeit der Secretionen befördern- 
des und die Gehörfähigkeit steigerndes Mittel zu betrachten. 
Es ersetzt im minderen Grade die Electricität und ist ihr in be- 
sonderen Fällen, namentlich bei zarten, sehr reizbaren Indivi- 
duen, weit vorzuziehen. Auch hat man von ihrer Anwendung 
nie üble Folgen zu besorgen, was oft der Fall nach electrischen 
Curen ist, G) Wo eine gewisse, beinahe Jähmungsartige Schwä- 
che und daher rührende schwere Erregbarkeit, so-zu sagen 
[Stumplüeit des acustischen Nerven für Auffassung der Schall- 
strahlen Statt hat, sind die Haarkügelchen, mit einer Solution 
gleicher Theile der Tinct. moschi und Spir, vint camph., mit 
gleichen 'Theilen Wasser verdünnty gehörig beleuchtet, gewiss 
meist hülfreich. Bei mehreren Kranken hat der Verf. dabei 
Bäder von Faleriana celtica zu Hülfe genommen. Bei sehr 
reizbaren , hysterischen Personen bedient sich H. mit glücklichem 
Erfolge seit langer Zeit der imprägnirten Haarkügelchen mit 
| Tinct, castorei, besonders aber der Tinct. Amörae und er 
hat beobachtet, dass unter der grossen Zahl von Mitteln es 
keins gebe, welches so specilisch ausgezeichnet, heilsam auf 
das Gehörorgan einwirkt, als die Ambratinctur. 7) Nichts ist 
geeigneter, den nicht nur schädlichen, sondern auch gefährli- 
chen Missbrauch, bei jeder Ohbrenkrankheit die Ohren sogleich 
mit Baumwolle ‚vollzustopfen, zu: beseitigen, als die Anwen- 
dung der Haarkügelchen. Sie müssen aber in diesem Falle nur 
äusserlich am Ohre angebracht werden und können schon, so 
angewendet, das innere Ohr vor jedem nachtheiligen Eindrucke 
von aussen hinlänglich schützen. Jeder Ohrenarzt wird gewiss 
zugeben, dass durch den Missbrauch des Vollstopfens der Ohren 
mit Baumwolle die Schwerhörigkeit nicht nur befördert , sondern 
sogar die Gehörfähizkeit ganz aufgehoben wird. — Vor An- 
jwendung dieser Kügelchen muss immer das äussere Ohr genau 
(Untersucht werden, ob nicht fremde Körper zugegen sind, ob 
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