Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

466 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
österreich. Ein Pfarrprovisor von einigen 40 Jahren, in den 
Tagen seiner Gesundheit ein grosser, athletisch gebauter, rie- 
senfester Tiınn, starb 1835 im März an einem Leiden, das 24 
Jahre vor dem Tode sich zu äussern anfing und in der erste- 
ren Zeit als chronisch-entzündlicher Zustand der Leber und des 
Magens, später aber mit den Zeichen einer organischen Kntar- 
tung dieser Eingeweide sich darstellte. Die ausführliche Aus- 
einandersetzung dieser Symptome und die umständliche Darstel- 
Jung des gauzen Krankheitsverlaufes übergehend, erwähnt S. 
nur, dass Pat. in den ersten Monaten seiner Krankheit an öf- 
teren Anfällen, äusserst heftiger Schmerzen litt, welche letztere 
jederzeit in der Gegend des den Magen überdeckenden linken 
Leberlappens anfingen und von hier aus.über die ganze Ma- 
gengegend gingen, einige Stunden, bisweilen auch einen gauzen 
Tag anhielten, durch Druck vermehrt wurden und brennend 
und stechend waren. Solche Anfälle kamen Anfangs alle 14, 
12, 10 Tage, nach und nach aber traten sie immer öfterer und 
in kleinen Zwischenräumen ein. Ausser denselben hatte Pat. 
keine Schmerzen und nur beim Drucke auf diese Gegend fühlte 
er stumpfen Schmerz. Nachdem das Leiden durch 4 Monate 
gewährt hatte, wurden die Schmerzanfälle seltener und schwä- 
cher und hörten allmählig ganz auf, der stumpfe Druck nahm 
aber immer mehr zu und eine Verhärtung des Magens war 
ziemlich deutlich zu fühlen. Erbrechen war nur in der ersten 
Zeit der ganzen Krankheit manchmal, doch selten, eingetreten, 
mit Nachlass der Schmerzanfälle aber und der immer deutlicher 
fühlbaren Verhärtung hörte es allmählig fast ganz auf. Dage- 
gen konnte Pat. nach und nach immer weniger Nahrung und 
nur in immer grössern Zwischenräumen zu sich nehmen; sobald 
er etwa einen Löffel voll genossen hatte und nun versuchte, 
noch etwas mehr zu nehmen, wurde das zuletzt Verschluckte 
durch Ructus wieder ausgestossen. Nur flüssige oder breiartige 
Nahrung konnte er geniessen; jedes festere Stück wurde durch 
Ructus zurückgetrieben und Pat, fühlte dabei deutlich, dass der 
Bissen nur bis gegen den Magen gelangte und hier von einer 
bestimmten Stelle aus wieder zurücktrat. Noch am Tage vor 
dem Tode hatte er einen gedünsteten Apfel genossen, mehr 
konnte er aber an diesem Tage nicht zu sich nehmen. In den 
letzten Monaten hatte sich natürlich Zehrfieber entwickelt, — 
Bei der Section fand sich der Leichnam abgemagert bis zum 
Scelette. Die Farbe der Haut war gelbbraun. In der Kopf- 
höhle bemerkte man nichts Krankhaftes, eben so auch nichts in 
Luftröhre und Kehlkopfe. Dagegen war in der Brusthöhle der 
ganze rechte Lungenflügel im ‚ganzen Umfange mit dem die 
Rippen umkleidenden Brustfelle, dem Herzbeutel, dem Mittel- 
Zwerchfelle so innig und fest verbunden, dass man ihn ohne 
theilweise Zerreissung der Lungensubstanz gar nicht trennen
	        
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