Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

‚ Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 407 
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musste die Verordnungen ganz billigen, wenigstens zeigte der 
kleine schwache Puls von etlichen und sechzig Schlägen einen 
Aderlass nicht an. Am folgenden Morgen, den 19. Juni 1834 
wurde der Verl. schon vor 4 Uhr gerufen. Ks war ein neuer 
apoplectischer Anfall erfolgt, oder vielmehr Pat. schien im Ster- 
ben zu liegen. Der Puls war kanm zu fühlen und schlug in 
der Minute etwa 30 Mal, die Extremitäten waren kalt, das 
Gesicht zusammengefallen und der Athem schwach und fast 
nicht zu hören, Nur kräftige, schnell wirkende Reize aufs Sen- 
sorium konnten noch wirken, KB schnitt daher dem Kranken 
schnell die Haare vom Wirbel und applicirte auf die entblösste 
Stelle einen grossen eisernen Hammer, der in siedendem Was- 
ser stark erhitzt worden war. Sogleich entstand eine grosse 
Brandblase, Pat. fuhr mit dumpfem, unarticulirtem Schrei aus 
der Betäubung auf und Kopf und Stirn bedeckten sich mit 
dicken Schweisstropfen. Der Puls hob sich sogleich, stieg in 
einigen Minuten auf 40 Schläge und Kehrte bald zur normalen 
Frequenz zurück. Die Lähmung der Zunge und Extremitäten 
blieb aber unverändert. Ein erregend-belebendes Heilverfahren, 
bei sorgfältig erhaltener Eiterung der Brandwunde durch Reiz- 
und Aetzmittel, führte langsam, aber doch mit Continuität fort 
schreitende Besserung herbei, so dass Pat, den Gebrauch sei- 
ner Sinne wieder bekam, wieder gehen und vollkommen ‚spre- 
chen, Hand und Arm der rechten Seite aber nicht. bewegen 
konnte, Unterdessen durchschnitt der umgelegte Faden das ent- 
artete Präputium, es fiel ab und die Schnittfläche vernarbte fast 
ohne weitere Behandlung. Die Brandwunde auf dem Kopfe 
eiterte vortrefflich und granulirte so lebhaft, dass man bestän- 
dig Aetzmittel anwenden musste, um sie offen zu erhalten. Zu- 
letzt vernarbte sie ganz in wenigen. Tagen, als man einen nur 
deckenden Verband anwendete. Die grosse Frage war nun, 
was ferner zur Heilung der Lähmung geschehen sollte? Die 
Beantwortung derselben konnte sich nur ergeben aus sicherer 
Erforschung der etwa noch fortwirkenden eutfernten Ursachen, 
denen man die Apoplexie zuzuschreiben hatte, so wie der orga- 
nischen und materiellen Veränderungen in der Schüdelhöhle, die 
entweder schon vor der Apoplexie bestanden hatten, oder etwa 
als Folge derselben zurückgeblieben waren. Disposition zur 
Apoplexie durch Alter, Constitution oder erbliche Anlage war 
hier auf keine Weise anzunehmen. ‚ Die einzigen schädlichen 
Momente, die eingewirkt hatten, waren: Syphilis und langer 
Gebrauch des Mercurs. Eins wie das Andere konnte Apoplexie 
erzeugt haben. Dass Lues, besonders wenn man, wie hier, so 
vollständige, inveterirte Sättigung des Körpers mit der Seuche 
annehmen muss, durch feindliche, giftige Reizung des Hirn- 
und Rückenmarks allein schon Apoplexie bedingen könne, ist 
a priort nicht abzuleungnen und B, kann aus der Erfahrung
	        
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