Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

404 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
nach einigem Zögern, dass er seit etwa 4 Monaten an einem 
Schanker leide ‚und Pillen, die ihm ein hiesiger Arzt verordnet, 
genommen hätte. Falsche Scham hatte ihn abgehalten, sich 
an die Hausärzte zu wenden. VUebrigens versicherte er aufs 
Heiligste, dass er früher nie an syphilitischen Uebeln gelitten, 
Die Untersuchung zeigte ein sehr speckiges, Fingernagelgrosses 
Ulcus syphiliticum an der Eichel. Es bestand seit Dec, 1832 
und Pat, hatte bisher dagegen Sublimat ununterbrochen, doch 
erfolglos gebraucht, hatte indess aber auch während der gan- 
zen Zeit aus Furcht sich seiner Familie zu verraihen, durchaus 
keine Diät beobachtet, seinen Beruf fortgesetzt, in der ungün- 
stigsten Jahreszeit sich nicht zu Hause gehalten, und an Festen 
und Tänzen Theil genommen. Es wurde nun zunächst das Er- 
forderliche gegen den gastrischen Zustand eingeleitet, worauf 
derselbe bald beseitigt wurde, Obgleich aber Pat, dabei spar- 
sam antiphlogistische Diät führte, das Bett hütete und kühlende 
Abführmittel gebrauchte, so war doch das Geschwür in- und 
extensiv bedeutend gewachsen und es blieb nichts übrig, als 
zum Quecksilber zurückzukehren. Dies geschah und zwar wurde 
wieder Sublimat gegeben, wobei aber Pat. schmale Kost füh- 
ren, das Zimmer hüten und sich warm halten musste, Der 
Erfolg war sehr günstig, Der Schauker reinigte sich und ver- 
narbte allmählig , ohne dass dabei etwas Bemerkenswerthes vor- 
gekommen wäre. Die Mittel wurden noch einige Zeit nach 
Schwinden der örtlichen Symptome als Nachcur in verminderter 
Gabe fortgesetzt, Pat. schien gesund und ging wieder seinen 
Arbeiten nach. Nach ungefähr 7—8 Wochen zeigte sich mit 
einem Male ein neues Geschwür an der Vorhaut. Die Unmög- 
lichkeit erneuerter Ansteckung beschwor Pat,, doch der syphi- 
litische Character des Ulcus war nicht zu verkennen und so 
kehrte man denn zum Sublimat zurück. Dies Mal aber war 
dieser ganz erfolglos. Das Geschwür wurde täglich grösser 
und es blieb nichts, als eine kräftige Inunctionscur übrig, Da 
jedoch B. gerade eine Reise machen wollte und Mohr wünschte, 
dass noch ein anderer Arzt den Kranken mit benbachten möchte, 
so wurde dies den Eltern vorgestellt, Die Wahl derselben ficl 
auf ihren vieljährigen Hausarzt und Freund, den. G. O, M. R. 
Dr. Klug, Dieser sah den Kranken und mit seiner Zustim- 
mung wurde am 17. Aug. eine kräftige Inunctionscur begonnen 
und 4 Wochen fortgesetzt. Es trat starke Salıvation, sonst 
aber keine ungewöhnliche Erscheinung ein, Pat, musste dann 
noch einige Wochen Dee. Zittmannit trinken, doch das Local- 
übel, weit entfernt zu heilen, richtete vielmehr die grössten 
Zerstörungen an. Nach 11 Wochen sah B. den Kranken wie- 
der. Der Zustand des Penis erschreckte ihn, Die ganze obere 
und vordere Wand der Vorhaut war von Geschwüren durch- 
fressen, so dass das Präputium zu beiden Seiten der ganz ent-
	        
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