Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

302 1, Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 
Schmerzen, etwas mehr abwärts nach dem Laufe des Ureters 
und nach 4 Tagen war der Hauptsitz derselben viel weiter ab- 
und vorwärts fixirt. Der "Trieb zum Harnen war bisweilen 
vermehrt, bisweilen nicht; der Harn war dunkelroth mit bräun« 
lichem Satze stark geschwängert. Gleich anfangs und später 
hatte sich Pat, oft erbrochen. Beim ersten Besuche erklärte G, 
ganz bestimmt, dass ein Steinchen abgehen werde und empfahl 
deshalb die grösste Aufmerksamkeit, Nebst andern Mitteln 
wurden auch warme Bäder angewendet. Nach dem 3. Bade, 
am 6. Tage, empfand der Leidende Trieb zur Harnen. Der 
Harnabgaug war aber durch ein Hinderniss in der Harnröhre 
geliemmt, bis auf ein Mal ein dunkelbraunes, sehr zackigtes, 
festes Steinchen, von der Grösse einer halben Erbse vorge- 
drängt wurde und damit alle Beschwerden aufhörten. — X. 
Ein jugendlicher, sehr kräftiger Mann wurde beim vollsten 
Wohlsein ganz unerwartet von unbeschreiblich heftigem, zie- 
hendem, reissendem Schmerze in der rechten Nierengegend be- 
fallen, der sich, d:m Ureter entlang , abwärts verbreitete und 
begleitet war von Harndrange, Anziehen des Hodens und Er- 
brechen. GG, sprach ganz zuversichtlich vom Abgange eines 
Steinchens und erläuterte kurz dem sehr gebildeten Manne den 
Weg, den ein solches durchlaufen müsse und wie es auf dem- 
selben Beschwerden erwecke, Pat, sah dies ein und sagte, 
dass ıhm wie einem Thiere sei, das gebären solle. Abends wa- 
ren alle Schmerzen verschwunden. An den beiden vächsten 
Tagen gingen keine Steine ab, aber am Morgen des 3. Ta- 
ges sah G. zwei kleine, gelbliche, unebene Steine, die kurz 
vor seiner Ankunft beim Harnlassen abgegangen waren. — 
Leicht könnte der Verf. diesen Fällen noch andere beifügen, 
doch beweisen die mitgetheilten wohl hinreichend, was er 
eigentlich zeigen wollte, nämlich: 1) dass kleinere Nierensteine 
weit häufiger vorkommen, als man gewöhnlich glaubt und 2) 
dass das Vorhandensein derselben oft lange verkannt wird. Man 
denkt weit eher an Rheumatismus, Entzündung, Krämpfe, Blä- 
hungen etc, als an Nierensteine, deren Diagnose übrigens nicht 
50 schwer ist, wenn man nur einen oder den andern Fall auf- 
merksam beobachtet hat und überhaupt den Gedanken an sie 
nicht zu entfernt hält, indem man dieselben den grossen Sel- 
tenheiten zurechnet. Nach den Erfahrungen des Verfs. giebt 
es folgende Hauptmerkmale vorhandener Nierensteine, die die 
Natur fortzuschaffen strebt: 1) Schmerz in der Nierengegend, 
In den erzählten Fällen war er bald dumpf und lang wierig, 
viel häufixer aber entstand er plötzlich, war hetuüg, oft äusserst 
heft'g drückend, stechend, reissend, ziehend, so dass Pat. mit- 
unter laut wehklagte, schrie, die Hand nach der leidenden 
Seite führte, aber den Schenkel dieser Seite anzug, sich hin- 
und herwarf nod die grösste Unruhe verriet. Er nahm perie-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.