Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

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VI. Staatsarzneikunde, 
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als Herz mit geöffnetem Beutel, beide Lungen und Glandula 
Thymus heraus und brachte sie: in ein grosses mit kaltem Was- 
ser gefülltes G«fäss. Die Eingeweide sanken sogleich und voll- 
ständig zu Boden. Darauf wurden beide Lungen vom Herzen 
and der Thymus nach Unterbindung der Gefässe. getrennt und 
in dasselbe Gefäss mit Wasser gebracht, wo sie auch aliein 
schnell zu. Boden sanken, Dann legte man jede Lunge einzeln 
ins Wasser und beide zeigten dasselbe Resultat. Jede Lunge 
wurde nun in 4 Theile zerschnitten, wobei kein Blut, doch 
auch kein knisternder Ton bemerkt wurde. Jedes Stückchen 
einzeln in dasselbe Wasser gebracht, sank nicht nur vollstän- 
dig, sondern sehr schnell zu Boden und keins zeigte beim Drü- 
cken unter dem Wasser Luftbläschen, Die blutleeren Lungen 
wogen 3 Loth 1 Quint. Unter diesen Umständen und bei Ue= 
bereinstimmung mehrerer Erscheinungen mit diesem Ergebnisse 
der hydrostatischen Lungenprobe musste das ärztliche Gutachten 
natürlich dahin ausfallen, dass das Kind nicht geathmet habe, 
obschon nach anderem Erfund als nächste Ursache des Todes 
Verblutung durch die Nabelschnur anzunehmen‘ war. Bei ge- 
richtlicher Untersuchung ergab sich aber, dass das schwach zur 
Welt gekommene Kind nicht nur 1} Stunde geathmet und ge- 
lebt, freilich schwach geathmet, dann sogar leise geschrieen 
und gewimmert habe und erst nach und nach an Blutung ge- 
storben sei, die vor und nach der Geburt durch die unterbun« 
dene Nabelschnur eintrat, was nach dem Resultate der hydro- 
statischen Lungenprobe nicht zu erwarten war. Fäulniss und 
blutleerer Zustand des ganzen Körpers, besonders der Lungen 
mögen allerdings ihren Einfluss gehabt haben, doch die Fäul- 
niss hätte ja gerade das entgegengesetzte Resultat begünstigen 
sollen und Mangel an Blut bewirkte höchstens ein kleineres 
Volumen der Lungen und verminderte ihr Gewicht im Allge- 
meinen, ohne das specifische Gewicht derselben zu verändern, 
Diese Einwürfe können daher gegen das widersprechende Er- 
gebniss nicht gelten. B. will damit der‘ hydrostatischen Lun- 
genprobe gerade nicht den Stab brechen: frei und unter allen 
Verhältnissen schwimmende Lungen mögen immerhin die Wahr- 
scheinlichkeit des stattgefundenen Athmens begründen , aber un- 
ter allen Umständen untersinkende Lungen können gewiss nicht 
das Gegentheil beweisen, nämlich, dass kein Athmen statt ge. 
funden habe, wie ja bekaunt ist, dass theilweises Athmen 
nur durch die Luftröhren statt haben kann. Der Verf, hält da- 
her für Pflicht, den Gerichtsärzten diese Mittheilung zıı machen, 
die nach diesem Ergebniss auf Werth oder Unwerih der hydro- 
statischen Lungenprobe schliessen, auf jeden Fall sich aber hü- 
ten mögen, auf sie ihr Urtheil unbedingt und bestimmt zu stützen. 
— Mehrere Mitglieder der Gesellschaft, in welcher B. diesen 
Fall mittheilte, machten Einwendungen gegen diese Beobachtung
	        
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