Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

5 
Tr 
IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
377 
den des Zimmers; der Uterus war, in der Grösse eines Kinds- 
kopfes, weich über dem Schambeine zu fühlen. Als der Verf, 
erfuhr, dass die Placenta noch nicht abgegangen sei, gebot er 
dem Wundarzte der Kranken von einer Mixtur aus Tinct. Cin- 
namom. dr, una und Tinct, Opii scrup, uno, in einem Löllel 
voll Chamillenthee alle 5 Minuten vier Tropfen zu reichen, und 
beauftragte die Hebamme mit den umstehenden weiblichen Per- 
gonen die Brust und die Gliedmassen der Kranken mit war- 
men Tüchern sanft zu reiben. Daon führte er die linke Hand 
an der Nabelschnur in die Gebärmutter ein, uud unterstützte 
mit der rechten Hand dieselbe von‘ aussen, indem er sie zu- 
gleich sanft frottirte,. Der Mutterkuchen war zur Hälfte gelöset, 
sass aber mit dem andern Theile noch fest an, Z, führte die 
Finger von der gelösten Seite. zwischen die Placenta und die 
Uterinalwand bis zur fest sitzenden Stelle hin, und suchte beim 
Vorwärtsschieben derselben durch gelindes abwechselndes Beu- 
gen.und Ausstrecken die Trennungen zu vollbringen und das 
Gelöste herauszuziehen, was ihm auch nach einigen Minuten 
vollkommen gelang. Der vollständigen Nachgeburt folgten einige 
Stücke gestockten Blutes nach, und bei fortgesetztem Frottiren 
zog sich nun der Uterus zusammen, die Blutung liess schnell 
nach und ‘hörte nach einer Stunde vollkommen auf, Allmählig 
kehrte die Wärme in den Gliedmassen zurück , die Kranke kam 
zu sich und der Puls fing an fühlbarer zu werden. Statt der 
nun ausgesetzten Tropfen wurde von einer Mixtur aus Ag, 
Menthae, Aq. fl. Tiliae aa. une. duabus, Tinct, Cinnamom, 
dr. una alle Viertelstunden ein Esslöffel voll gegeben und öfters 
einige Löffel einer lautern Rindfleischsuppe gereicht. Die Kranke 
war so schwach, dass sie bei dem Versuche, eine Extremität 
zu bewegen, oder einige Warte auszusprechen, sogleich in 
Ohnmacht fiel, und durch Besprengen mit kaltem Wasser wie» 
der aufgeregt werden musste. Dieser Zustand dauerte 10 volle 
Stunden. Darauf begann die Kranke sich zu bessern und bei 
Gebrauche eines Inf. Chinae mit Tinct. Cinnamom., und bei 
Genusse einer krälugen Suppe und eines guten, stark gewäs-» 
serten Weines schnell zu erholen. Allein, ungeachtet der Stuhl» 
gang durch Klystiere befördert, die :Kranke nur mit Jauterer 
Suppe genährt wurde, und der Lochialfluss normalen Gang be- 
reits genommen hatte, entwickelte sich doch gegen den dritten 
Tag nach der Entbindung ein gastrischer Zustand, welcher mit 
Frost und darauf folgender Hitze begann und der Kranken Ge- 
fahr zu drohen schien. « Bei anhaltend-nachlassendem Fieber 
stellten sich im Bauche, vorzüglich in der Gegend des Uterus, 
bedeutende Schmerzen einz die Zunge wurde weisslich belegt, 
der Geschmack schleimig, Anfangs in der Nacht, später auch 
bei Tage waren Delirien der Eingenommenheit des Kopfs mit 
Ohrensausen und dem Schwindel beigesellt; der Athem war
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.