340 1. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik.
zogen, dass die Grenze zwischen rechtem Vorhof und rechtem
Ventrikel durch eine Furche angedeutet war, -in die sich bei-
nahe der kleine Finger legen liess, Krampf der Respirations-
muskeln war sicher bei beiden Kranken zugegen: beim ersten
war das Athmen so erschwert, dass er ersticken zu müssen
glaubte, und in der Leiche waren die Lungen bedeutend zu-
sammenpgefallen; bei dem zweiten wurde das Athmen in den
leizten Stunden des Lebens ängstlich und beschleunigt und die
Lurgen fanden sich später sehr zarückgefallen. Weder die
letzten Sympiome, noch die Kesultate der Section liessen aber
irgend auf suflocatorische Todesarty, auf Aufhören des kleinen
FH reislaufes und auf Tod von den Lungen, von Ueberfüllung
des rechten Herzens oder der unvolikommenen Umwandlung des
venösen Blutes aus schliessen. Die Lungen des ersten Kranken
waren zusammengefallen, wie die eines Menschen, der lang-
sam unter flachen Inspirationen stirbt, doch waren die Inspira-
tionen nicht so flach, um ihn ersticken zu machen, noch viel
weniger tödtete ihn plötzlich eintretender Brusikrampf. Auch
waren die Herzen Beider im beiden Hälften mit Blut mässig
gefüllt. Der Verf, fand also die Frage nach der nächsten Ur-
sache des Todes dadurch nicht beantwortet, doch er fand es
nun nicht minder dringend, 'sie zu wiederholen. Bei einem
Uehel, dessen nächste Ursache unbekannt ist, gegen das man
kein specifisches Mittel besitzt und bei dem man’ die Art und
Weise nicht kennt, wie die Natur es heilt, ist man meist iu
grosser Verlegenheit, doch man kann indirect nützen: man er-
hält das Leben nicht, aber man vermeidet den Tod. So kann
man bei Nervenfiebern durch Reizmittel von Stunde zu Stunde
die gänzliche Erschöpfung hinausschieben und der Natur Zeit
schaffen, zu einem gewünschten Termin zu kommen. Häulig
sah B., dass durch eine reichliche Gabe Moschus der Puls sich
hebt, die Respiration freier und langsamer wird und das Auge
wieder Leben bekommt und er hat dies Alles nach‘: einiger Zeit
wieder zurückgehen und durch eine neue Gabe Moschus wie-
der hervortreten sehen. 2 Tage hat er einen Kranken, den
Jeder für einen Sterbenden hielt, so eine künstliche Existenz
führen und nach 2 Tagen Schlaf, Schweiss und Genesung ein-
treten sehen. An Schlaf und Schweiss war B. nicht Schuld,
er hat den Kranken nicht geheilt, aber er hat ihn nicht ster-
ben lassen. Er kann den Tetanus’ nicht heilen, er weiss nicht,
wie die Natur ihn heilt und so scheint ihm denn die Frage
ganz natürlich, ob es auch hier möglich ist, Zeit zu: schaffen,
durch indirectes Verfahren den tödtlichen Ausgang hinauszu-
schieben und die Heilung der Natur zu überlassen und das ist,
genau besehen, keine andere Frage als die nach der nächsten
Ursache des Todes, Giebt es eine Antwort auf dieselbe, so
würde man weiter fragen, wie weit die übrigen Symptome