Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

298 Hl. Chirurgie und Ophthalmologie, 
er alles so gut, wie Vormittags, nur machte sich leichter An- 
flug von Fieber bemerkbar. Kaum aber hatte er das Haus ver- 
lassen, als er durch die Schreckensbotschaft überrascht wurde, 
dass das Blut plötzlich stromweise aus der Wunde dringe und 
die Operirte bereits im Blute schwimme. Leider war dies voll- 
kommen wahr, ein fingerdicker, hellrother Blutstrahl, stürzte 
stussweise aus der untern Oelluung der Wunde und Bett und 
Zimmer waren mit Blute bedeckt. St. war der Meinung, dass 
unstreitig der Stamm der A. mammaria externa diese enorme 
Blutung setze und Unterbindung derselben das Uebel beseitigen 
werde; nachdem er aber rasch den Verband entfernt hatte, sah 
er, dass das Blut besonders aus dem obern Winkel dringe, 
doch konnte er daselbst durchaus keine Gefässöffnungen auffin- 
den, Es war also zu vermuthen, dass nur die kleinern Aeste 
jener Arterie, die nach oben mit den vordern Zwischenrippen- 
ästen der 4. mammaria interna anastomosiren, im Spiele wä- 
ren, denn bei der Stärke, mit der der Blutstrom hervorstürzte, 
hätte sich die Oeffnung einer grössern Arterie wohl erkennen 
lassen. Man machte schnell Umschläge von kaltem Wasser 
und als diese nichts ausrichteten, von Alaunauflösung, von Spi- 
rilus vini rectificatus und von Aqu, Binelli — doch Alles 
umsonst: das Blut quoll unaufhörlich aus der Wunde. Da nun 
die Gefahr mit jedem Augenblick stieg, wendete St. das Glüh- 
eisen an, nach dem zwar die Hämorrhagie geringer wurde, 
doch keineswegs stand. In dieser verzweifelten Lage suchte 
der Verf; mit dem Bromfield’schen Haken die organische 
Masse da, wo das Blut besonders hervordrang, obgleich man 
keine Gefässöffnungen sah, aus der Tiefe aufzuheben und un- 
terband selbige möglichst tief. Nachdem er dies an 4 verschie- 
denen Stellen bewirkt, stand endlich die Blutung ganz und 
kam auch nicht wieder. , Bei einfachem trocknem Verbande 
heilte nun die mit Heftpflasterstreifen zusammengezogene Wunde, 
olıne dass ferner etwas Uebles einzetreten wäre, in 10 Wochen 
ganz, Der letzte Unterbindungsfaden löste sich am 16. Tage 
nach der Operation, Bemerkenswerth ist noch, dass die Frau 
bei der Operation im dritten Monate schwanger war, was sie 
absichtlich verschwieg, um dadurch nicht Aufschub, oder viel- 
leicht gänzliches Unterbleiben der Operation zu veranlassen. 
Ungeachtet des bedeutenden chirurgischen Eingriffs, des enor- 
men Blutverlustes, der heftigen Schmerzen durch das Breun- 
eisen und endlich der Angst, welche die plötzliche, anfangs 
gar nicht zu stillende Hämorrhirie erzeugen musste, trat doch 
kein Abortus ein, sondern die Operirte kam zur gehörigen Zeit 
mit einem gesunden Kinde nieder, welches sie mit der linken 
Brust ganz befriedigend nährte. Die Stelle, wo die kranke 
Brust abgenommen war, wölbte sich nach der Heilung wieder 
uud hatte ein Jahr später, obwohl die Warze fehlte, ganz das
	        
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