Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

II, Chirurgie und Ophthalmologie. 
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etennadeln und mittelst Heftpflasterstreifen, worüber Charpie 
und Compressen gelegt wurden, Am untern Ende der Wunde 
blieb eine Oeffnungy um dem Wundsecret freien Ausfluss zu 
gestatten. ‘ Pat. wurde dann ins Bett gebracht, erhielt eine an- 
tiphlogistische Mixtur und man empfahl ihr Ruhe mit der nöthi- 
gen Diät an. Sie war den Umständen nach wohl und hatte die 
Operation muthig ausgehalten. Die abgenommene Brust che- 
misch zu untersuchen, hatte der Verf. nicht Gelegenheit, Die 
physischen Eigenschaften waren folgende: die Masse wog etwa 
6 Pfund, war knorpelhart, äusserlich von normaler Farbe, in- 
wendig blaugelb, mit sehnigten Streifen, die sich hin und 
wieder kreuzten, durchwebt, übrigens ging sie sehr rasch in 
Fäulniss über. Sonach glaubte der Verf. die Degeneration den 
Hypertrophieen zuzählen zu müssen, Für blosse Milchknoten 
die sich auch bisweilen knorpelhart anfühlen, konnte er sie un- 
möglich halten, denn diese bleiben erstens nach ihrem Entste-= 
hen, wenn nicht etwas, anders hinzukommt, gewöhnlich bei 
der ein Mal erlangten Grösse stehen, wenigstens werden sie 
nicht so enorm gross, wie hier und zweitens fand sich beim 
Ausschneiden nichts von Milch oder milchartiger Flüssigkeit. Am 
ähnlichsten war das Afterproduct dem Steatome, das häufig knor= 
pelartig gefunden wird, auch die übrigen physischen Eigenschaften 
entsprachen ziemlich der Natur des Steatoms und der Verf. ist 
geneigt, wirklich ein solches, oder wenigstens etwas Analoges 
hier anzunehmen, was vielleicht nur durch den Theil, in dem 
es sich bildete, etwas modificirt wurde, Dadurch würde man 
nun freilich gegen Annahme einer Hypertrophie etwas ausstel- 
len können, wenn man unter letzterer nur abnorme Vergrüsse= 
rung der Substanz eines Organs, ‘ohne gleichzeitige Entartung, 
verstehen will. Es ist aber nachzuweisen, dass alle Afterge- 
bilde Aeusserungen kraukhaft gesteigerter Productivität sind und 
man hat neuerlich schon angefangen, den Begriff: Hypertrophie 
nicht mehr im strengsten Sinne zu nehmen, den die Etymologie 
des Worts giebt, denn wenn man von Hypertrophie der Leber, 
Milz etc. spricht, so schliesst man Veränderung der Substanz 
neben Vergrösserung keineswegs aus, Kine Veranlassung des 
Uebels liess sich ausser der vorhergegangenen, bereits oben er- 
wähnten Entzündung der Brust nicht auffinden, doch reichte 
diese, da sie gerade zur Zeit der Lactation vorkam und Stö- 
rung einer normalen Secretion herbeiführte, völlig hin, um dem 
Ernährungsprocesse perverse Richtung zu geben. VUebrigens 
musste dies veranlassende Moment den Verf. in der Annahme 
bestätigen, dass die Degeneration nicht krebsartig sei, denn 
wahrer Scirrhus entwickelt sich ohne Entzündung und wird 
durch spätern Hinzutritt einer solchen zum Carcinom oder Krebs- 
geschwür umgebildet. Doch zur weitern Beschreibung des Falls 
zurück, Als St, Abends 8 Uhr Pat, nochmals besuchte, fand
	        
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