Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

258 1. Pathologie, Therapie and medicinische Klinik, 
weicht waren die vier Hügel und die Hirnschenkel und eben 
8o das kleine Hirn. Verlängertes Mark und Nerven der Schä- 
delhöhle waren unverändert. In der Substanz des Hirns und 
namentlich in den schmutzig gefärbten Theilen der Ventrikel be- 
merkte man kein Blutextravasat, sie waren eher arm an Blut, 
Auch sah man nichts von Verknöcherungen der Arterien. Die 
Lungen waren gesund und nur im linken obern Lappen fanden sich 
einige rohe Tuberkel. Die Lungen waren blauroth, mit Blut 
angefüllt und es floss, wenn man in sie einschnitt, schaumiges 
Blut aus. Das Herz war ungewöhnlich gross und stark mit 
Fett besetzt, die Wände des rechten Ventrikels mürbe und er 
selbst stark erweitert und blutleer. Die Oeffnung des Vorhofs 
in den Ventrikel liess drei Finger durch und die normalen 
Klappen schlossen sie kanm halb. Der rechte Vorhof war stark 
erweitert und mit flüssigem Blute erfüllt. Der linke Ventrikel 
war normal, eben so Vorhof und Klappen und er enthielt kein 
Blut. Am Bogen der Aorta bemerkte man an der höchsten 
Stelle eine drei Kreuzer grosse Verknöcherung. Die Leber war 
gross, der linke Lappen ging bis zur Milzgegend und war sonst 
gesund. Die Milz ungewöhnlich gross, der Magen bhlauroth, 
besonders die Schleimhaut desselben, fast leer, der Pylorus et- 
was verdickt, die Gekrösdrüsen stark mit Blut gefüllt, der 
dünne Darm so blauroth: wie der Magen, am untern Theile, 
ungefähr 2 Fuss lang, auf Fingerdicke verengt und die Häute 
nicht verändert. Alles Uebrige erschien normal. Das Rücken- 
mark wurde nicht untersucht. — Unstreitig gehört dieser Fall 
zu den interessantesten in der Lehre von den Hirnkrankheiten, 
Der plötzliche Tod ohne alle Vorboten liess entweder ausge- 
breitetes Blutextravasat vermuthen, oder‘ andern Fällen analog 
nicht die geringste sichtbare Störung, da sich unter den jetzt 
bekannten Fällen von Hirnerweichung keiner findet, der den 
Tod so plötzlich herbeigeführt hätte. Unter 105 Fällen währte 
die Krankheit vom Anfalle an 12 Stunden (Andral). Sel- 
ten, doch nicht ohne ähnliche Beispiele, ist der Mangel aller 
Vorboten, was bei der ausgebreiteten Zerstörung des Hirns im 
mitgetheilten Falle immer sehr merkwürdig ist. Man könnte 
daher versucht seyn, diese Erweichung für eine acute zu hal- 
ten, wodurch sie sich dem Wasserschlage nach Gölis, der viel- 
leicht nichts Anderes ist, als eine solche Erweichung, näherte; 
dagegen sprechen aber das Extravasat von hellgrüner Lymphe, 
das wohl nicht im letzten Augenblick entstanden seyn kann 
und die Verwachsungen der Arachnoidea mit der Dura mater, 
Es ist daher anzunehmeu, dass diese Störungen Folge einer 
seit längerer Zeit thätigen Destruction des Hirns sind und dass 
sie im Augenblick des Todes den ‚höchsten Grad erreichten, 
Unerklärt bleibt die Abwesenheit aller Vorboten und die Ur- 
sache dieses Zerstörungspruocesses, Die Erweiterung des Her-
	        
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