Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

HT, . Chirurgie und Ophihalmolozie,. 
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man mit 2 Fingern den Ohrknorpel nach vorn drängt, ein Ver- 
fahren, worin jeder Kranke das beste Mittel besitzt, um im 
Voraus selbst und ganz bestimmt über den Vortheil zu entschei- 
den, den er sich vom Otaphone versprechen kann. Immer ist 
dieser Vortheil nur sehr gering und bei Weitem nicht so gross, 
als wenn der Kranke die ganze Hand hinter das leidende Ohr 
legt. Diesem geringen Vortheile gegenüber treten 2 nicht un- 
wesentliche Nachtheile bei Anwendung des Otaphone heraus: 
1) die einzelnen Exemplare sind nämlich nicht genau nach der 
äussern Form jedes einzelnen Ohres gearbeitet, sondern schon 
vorräthig , ganz im Allgemeinen für grosse und kleine Ohren 
gefertigt, so dass sie sich dem Ohre in seinen Erhabenheiten und 
Vertiefungen nicht genau genug anschmiegen, um nicht dem Ohre 
bald durch schmerzhaften Druck so lästig zu werden, dass sie 
nicht oft schon nach wenigen Stunden abgelegt werden müssten. 
— Solche Schmerzen sind aber gerade nervös Schwerhörigen 
besonders schädlich und schwächen den schon leidenden Gehör- 
nerven noch mehr. 2) Das Otaphone ist von Silberblech, giebt 
also, wie jedes andere metallene Hörinstrument, dem Schalle, 
der ins Ohr dringt, eine Schärfe, die dem Gehörnerven ent- 
schieden unangenehm und schädlich wird, wenn auch dieser 
Schaden mehr, als bei andern Hörinstrumenten, beim Otaphone 
dadurch gemindert wird, dass es hinter dem Ohre liegt, wor- 
in freilich auch der Grund des geringen Einflusses auf Verstär- 
kung des Schalles gesucht werden muss. Die Hoffnung aber, 
das Gehör durch anhaltendes Tragen des Otaphone gestärkt zu se- 
hen, beruht auf der ganz ohne Grund vorausgesetzten Analogie 
desselben mit den s. g. Conservationsbrillen für schwache Au- 
gen. Diese Brillen lassen aber in Auswahl für die verschie- 
den schwachen Augen die grösste Mannigfaltigkeit hinsichtlich 
der Stärke und Schwäche zu, während das Otaphone immer 
gleich construirt bleibt, der Grad der Schwerhörigkeit sei wel- 
cher er auch wolle, Hieraus ergiebt sich, dass das Otaphone 
höchstens einen sehr geringen Grad von Verstärkung des Schalls 
und auch diesen nur eben so bewirkt, als wenn Pat, mit 2 
Fingern das leidende Ohr. nach vorn drängt; dass es ferner 
keine allmälige Stärkung der geschwächten Hörkraft erzeugt; 
dass es endlich sogar dem geschwächten Gehörnerven positiven 
Schaden bringen kann, dessen Geringfügiykeit für ein schon 
leidendes Gehörorgan indess bedeutend genug ist, weil der nur 
noch geringe Vorrath von Lebenskraft die grösste Sparsamkeit 
mit derseiben zur ersten Pflicht für Arzt und Kranke macht. 
|. Casper’s Wochenschr, f. d. ges. Heilk. 1837. Nr. 21.] 
98. Beschreibung des Hettling’schen Instru- 
ments zur Lösung der Ligatur nach der Unterbin- 
dung von Arterien, nebst einem Berichte über ein 
glücklich geheiltes Aneurysma arteriae poplitene; 
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