Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

II. Materia medica und Toxikologie, 
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Frage schwerer, als die erste, zu beantworten seyn und man 
kann darüber höchstens Vermuthungen aufstellen, Angenom- 
men vor Allem, es habe diesem jungen Menschen, als er das 
Gift verschluckte, oder überhaupt, die Empfänglichkeit für schäd- 
liche Einwirkung auf seine Vitalität gefehlt, da eine solche 
Annahme wie bei Krankheiten jeder Art, so auch bei Krank- 
heiten von Giften gestattet ist, so ist namentlich, wenn man von 
Tödtung des ersteren‘ durch Bildung von Schwetelwasserstoffgas 
im Magen ausgeht, zu vermuthen, dass im Magen des letztern 
die zur Bildung von Schwefelwasserstoff günstigen Umstände, 
besonders also die freie Säure, gefehlt haben, während sie 
beim erstern wohl olıne Zweifel statt gefunden haben und wenn 
man bedenkt, dass Ersterer überhaupt kränklich war, dass es 
ihm namentlich in Folge von Brustbeschwerden an gehöriger 
Vegetation der Blutmasse fehlte, womit ja gewöhnlich schlechte 
Verdauung und mangelhafte Function des Magens, somit auch 
Säurebildung , gleichen Schritt halten, Letzterer aber sonst ge- 
sund war, somit auch zu Säurebildung im Magen keine Nei- 
gung und Veranlassung sich vorfand, so ist die ausgesprochene 
Vermuthung nicht unbegründet und man kann also annehmen, 
dass bei ihm die schädliche Einwirkung auf den Körper von 
dieser Seite aus aus jenem Grunde ausgeblieben sei. Fragt 
man aber, warum auch von der andern Seite: von ätzender 
Wirkung der Schwefelleber aus, die schädliche Einwirkung auf 
die Vitalität des Menschen ausgeblieben ist, da er doch mehr 
davon, als der Verstorbene verschluckt, so kann man darauf, 
da nähere Aufschlüsse tehlen, nicht antworten. Jedenfalls bleibt 
dies aber eine merkwürdige Thatsache. [Med, Corresp.-Bl. d, 
würt. ärztl. Vereins. Bd. VI. Nr. 18] 
9%, Merkwürdige Arsenikvergiftung; von Dr. 
Cramer in Cassel. Durch Unvorsichtigkeit der Eltern bekam 
ein schöner, gesunder, 5jähriger Knabe grob gepulverten, mit 
Weissbrotkrumen vermischten Arsenik als Zuckerwerk zu essen, 
Es war dies Abends 9 Uhr geschehen und gegen 11 Uhr, wo 
die Eltern, durch mehrmaliges Erbrechen des Kleinen aufmerk- 
sam gemacht, zuerst darauf kamen, dass sie wohl das Kind 
vergifiet, wurde C. gerufen. Ein anderer Arzt hatte schon 
einige Gaben Schwefelleber reichen lassen, wonach das Erbre- 
chen zugenommen hatte. Der Knabe befand sich in einem dem 
Verf. auffallend günstigen Zustande, was ihn anfangs auf den 
Gedanken brachte, dass wohl nur wenig von der verderblichen 
Mischung genommen worden sei, da die Mutter so ergriffen 
war, dass sie sich des Hergangs der Sache nicht genau erinnern 
konnte, Erst Tags darauf hörte er, dass der Knabe die Mi- 
schung theelöffelweise genommen. Auf wiederholtes Fragen 
versicherte der Knabe jedes Mal, dass er nirgends Schmerz 
einpfinde und man hörte durchaus keine Klagen über unange-
	        
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