Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

Il. Materia medica und Toxikologie, 213 
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% Tage eintraten, Ein ‚organischer Kehler konnte nicht mit 
Grund befürchtet werden. Alle in derartigen Fällen gerühmte 
Mittel erleichterten nur wenig, oder vorübergehend und durch 
Schwäche wurde der Zustand immer gefährlicher. Da gab S. 
Früh, Mittags und Abends 1 Gran Bleizucker mit 4 Gran Opium 
und nachdem Pat, 10 Gran genommen, vollendete Ruhe und 
leicht verdauliche und nährende Kost die Heilung. — 2) Ein 
Mann von 30 Jahren hatte seit einigen Monaten viel Blut durch 
die Harnröhre verloren. Das Blut ging mit Urin vermischt, oft 
auch in flüssiger Form ab und hatte den Kranken so herunter- 
gebracht, dass er kaum gehen konnte und dem gewissen Tode 
entgegen sah. Schmerzen, oder andere Beschwerden hatte er 
picht, war auch bei gutem Appetite. Er erhielt früh und 
Abends 1 Gran Bleizucker mit 4 Gran Opium. Nach Verbrauch 
von 16 Granen war das Uebel, bis auf Mattigkeit, gehoben. — 
3) Eine sonst gesunde, regelmässig menstruirte Frau von 40 
Jahren litt oft an Nasenbluten, ‚das oft so lange währte, dass 
es Besorgniss erregte. Alle Mittel brachten nur geringe, schnell 
vorübergehende Hülfe, Endlich liess S, alle 3 Stunden 1 Gran 
Bleizucker mit etwas Opium nehmen, Schon nach 3 Gaben 
stand die Blutung völlig. Später kamen noch oft ähnliche An= 
fälle, wurden aber durch einige dieser Pulver immer bald wie 
der beseitigt. . [Med, Zeit. vv. Vereine f. Heilk, in Pr. 3837, 
Nr. 20.] 
87. Seltene Folge vom Misbrauch des Mercurs; 
vom Regiments-Arzte Dr. Cramer in Aschersleben, Ein im 
Wachsthume etwas zurückgebliebenes, sonst gesundes, 12jähri- 
ges Mädchen hatte im dritten Lebensjahre an hitziger Gehirn- 
höhlenwassersucht gelitten und dagegen so viel Calomel erhal- 
ten, dass sie hefüg speichelte und den Mund voll Geschwüre 
bekam. IFetztere wurden jedoch wenig beachtet und so kam es, 
dass auf beiden Seiten die innere Fläche der Backen mit dem 
Zahnfleische des Ober- und Unterkiefers verwuchs. Als das 
Kiad 9 Jahre mit den Uebel gegangen war, ersuchte man den 
Verf, dasselbe zu beseitigen. Der Mund konnte nicht weiter 
geöffnet werden, als um einen flachen Theelöffel zwischen die 
Zähne zu bringen. Spannte man die Lippen, so weit dies mög- 
lich war, mit stumpfen Haken an, so sah man an jeder Innen- 
fläche der Backe eine Art Ligament, das sich auf jeder Seite 
wandartig zwischen Wange und beiden Kiefern hinzog. Die 
Masse begann an den ersten Backenzähnen und ging einen gu- 
ten Zoll in die Mundhöhle, Die Höhe derselben war nicht ge- 
ringer. Beim Befühlen des vordern Randes mit dem Finger er- 
schien sie in der Mitte fester, als an den seitlichen Flächen, 
mit denen sie sich an Wange und Kiefer anlegte und innig ver- 
band. Diese breite Narbe, denn etwas Anderes war es hicht, 
erlaubte, wie erwähnt, weder gehöriges Oeffnen des Mundes,
	        
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