Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

166 * Il. Chirurgie und Ophthalmologie« 
Verwundungen innerhalb der Mundhöhle, selbst bei der gröss« 
ten Sorgfalt und Reinlichkeit, einzustellen pflegt, wie ich In Mi- 
Htärhospitälern und ausserdem zu beobachten oft Gelegenheit 
hatte, Der in den Mund gelegte Korkkeil und der Verband 
um das Kinn verbreiteten einen unausstehlichen Gestank und 
bei der Anlegung des letztern musste ersterer mit einem neuen 
vertauscht werden, Die Wunde unter dem Kinne hatte ein 
gutes Ansehen, gestattete jedoch stets dem Speichel freien Durch- 
fluss, so dass der Verband täglich zwei Mal erneuert werden 
musste, Die Zunge war noch immer sehr geschwollen und 
der Genuss von Speisen und Getränken unmöglich. Der Kranke 
zeigte an, dass er von Hunger gequält werde, weshalb ich, da 
das Fieber sehr gering war, aller 3 Stunden zwei Eigelb in 
einem Nösel lauwarmer guter Milch abgequirlt durch den Af- 
ter beibringen, die Mundhöhle aber mit einem schwachen De- 
cocte von bitterlichen, zertheilenden Kräutern und etwas Li- 
quamen Myrrhae auszuspritzen anordnete, des Durstes halber 
den Knaben des Tages zweimal, wie bisher, in ein laues Was- 
serbad setzen liess, die Essigumschläge um den Hals jedoch, 
weil dieser wund geworden war und eine Menge kleiner Kiter- 
pusteln zeigte, die sehr schmerzten, wenn der Essig aufgelegt 
wurde, ausser Gebrauch setzte. Die Bäder hatten, nach Aus- 
sage der Umstehenden, dem Kranken gegen den qualvollen 
Durst jedes Mal einen so wesentlichen Nutzen geleistet, dass 
er sehnlichst nach ihnen verlangte. Den 153. Sept. war das 
Befinden des Kranken ein wenig besser, als Tages zuvor, 80 
dass ich, rachdem er verbunden worden war, nichts in der 
übrigen Behandlung zu ändern vermochte, ausser dass den Bä- 
dern noch etwas Fruchtessig zugesetzt wurde, Dass Kopf und 
Arm von den erwähnten Bädern frei blieben und während den- 
selber gepflegt und gehalten werden mussten; hedarf wohl 
kaum der Erwähnung. Am folgenden Tage, als den 16. Sept. 
wo der Kranke Nachts zuvor einige Stunden gut geschlafen 
und stark ausgedünstet hatte, bemerkte ich mit ‘Vergnügen, 
dass die Töne, welche er ausstiess, articulirter waren, und des- 
halb sich die Entzündung und Geschwulst der Zunge vermindert 
haben mussten und dass der Puls nur einen geringen Grad von 
Fieber anzeigte, Ich löste an diesem Tage die Ligatur und den 
Heft aus der Wunde unter dem Kinne, welcher letztere aus- 
zureissen drohte, verband die Wunde der Stirne mit einem 
einfachen Heftpflaster und liess die Stelle der gänzlich ver- 
schwundenen Brausche, die nur noch eine grünlichgelbe Sugi- 
lation zeigte, mit Spir. camph. saponat. waschen. Da aus der 
Wunde: unter dem Kinne, die sich nun bis auf eine Oelfnung 
von der Grösse einer kleinef Bohne geschlossen hatte, fort- 
während ein heftig stinkender Speichel floss, so legte ich aber- 
mals einen neuen Korkkeil unter die Zupge, verband die Wunde
	        
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