Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

II. Materia medica und Toxikologie, 161 
irgend einem geistigen oder körperlichen Einflusse wusste, der 
dazu Veranlassung gegeben. Seitdem hat der Kranke theils 
auf ärztliche Verordnung, theils auf eigenen Antrieb fast alle 
deutsche Gesundbrunnen und viele Seebäder besucht, doch sind 
seine Krämpfe dadurch nicht verscheucht und in ihrer Natur 
nicht verändert worden. Meist blieb Pat, mehrere Monate ganz 
wohl und von Epilepsie frei, dann aber kamen in kurzer Zeit 
3—4 Anfälle hintereinander, Sie erschienen immer ganz plötz- 
lich, ohne Aura epileptica, ja ohne alles Vorgefühl und hin« 
terliessen nur ‚etwas Mattigkeit, die sich jedoch bald wieder 
verlor. Pat,, stets gewohnt, sich literarisch zu beschäftigen, 
studirte nun, so weit dies dem Laien in der Medicin möglich 
war, eifrig über Epilepsie, Er sammelte, Ias und excerpirte 
Alles, was er fand und brachte so sehr reiche Collectaneen zu«- 
sammen. Endlich machte er die Bekanntschaft eines Arztes, 
der sich mit dem Nervenkrankheiten ganz besonders beschäftigt 
haben sollte, Mit diesem wurde er so vertraut, dass er für 
längere Zeit sich an den Wohnort desselben begab, um un- 
ter specieller Leitung desselben einer stengen Cur sich zu: uns 
terwerfen. In Behandlung dieses Arztes blieb er 4 Monate, 
doch änderte sich nichts. Er kehrte dann nach Berlin zurück 
und setzte die angefangene Cur fort, ohne Jemand um Rath 
zu fragen und nur die Vorschriften seines ärztlichen Freundes 
befolgend, die dieser ihm schriftlich ertheilte, Vor etwa 2 Jah- 
ren Jas Pat, Siedler’s Erfahrungen über Epilepsie (Hufe= 
land’s Journ, Febr, 1831) und sogleich fragte er bei seinem 
Arzte an, ob er nicht die so gepriesenen Zinkblumen- mit Exrtr, 
Hyosc. versuchen solle? Die Antwort war bejahend. Pat. ver- 
schaffte "sich: sogleich mittelst eines ihm zugeschickten Recepts 
die Zinkblumen und brauchte dieselben mit eiserner Beharrlich« 
keit während 3 Monaten ganz nach Siedlers Vorschrift in 
immer steigender Gabe, so, dass er, laut seines sorgfältig dar- 
über geführten Journales , in diesem Zeitraume 3246 Gran Zink- 
blumen nahm! — Seinem ärztlichen Freunde hat Pat. wäh- 
rend dieser Cur kaum ein Mal Nachricht gegeben. Er glaubte 
keinen weitern Rath nöthig zu haben, wenn er nur genau nach 
dem gedruckten Buchstaber gehe und doch waren durchschnitt 
lich mehr als 20 Gran Zinkblumen des Tags ganz erfolglos: ge« 
blieben. Höchst nachtheilig aber war die Wirkung dieser Cur 
auf das Allgemeinbefinden und Pat. hat es wohl nur dem ZU=- 
fälligen Besuche eines: auswärtigen Verwandten zu danken, dass 
er nicht ein Opfer derselben und seiner Halsstarrigkeit wurde. 
Pat, hatte sich nämlich, als er die Cur anfing, gleichsam iso= 
Hirt und in seiner Wohnung abgesperrt. Kr liess Niemanden 
zu sich. Der erwähnte Verwandte bestand aber darauf ‚ ihn 
zu sprechen und wurde nun vom Zustande des Kranken so er- 
schreckt, dass er in ihn drang und ihn fast mit Gewalt dazu 
Summarium d, Medicin, 1837. 11. 11
	        
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