Full text: (Neueste Folge, Band 5 = 1837, No 9-No 16)

56 11. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
da Pat, nicht an Plethora abdominalis Yit, nicht Anlage zu 
Hämorrhoiden hatte, sondern partielle Venenanfüllungen, wel- 
che zu weit entfernt seyn mogten, um durch die Mastdarmge- 
fässe vermittelst der Bintegel entleert werden zu können. Al. 
lein deshalb bekamen dem Pat. von dem die Rede ist, küh- 
tende und erfrischende Genüsse, als kaltes Wasser, Gefrornes, 
Sauerkraut, mit Essig eingemachter Salat und in therapeutischer 
Hinsicht Kohlensäure enthaltende Medicamente und vegetabili- 
sche Säuren, während Mineralsäuren das Brennen vermehrten, 
wahrscheinlich, weil sie zu reizend anf die strotzenden Venen 
wirkten und noch mehr Blet herbeizogen, dahingegen zuerst 
genannte Mittel durch ihre kühlende und sanft zusammenzie- 
hende Eigenschaft das Gegentheil zurückliessen. Nach densel- 
ben Ansichten wirkte Nitrum in Verbindung mit Salmiak , fer- 
ner Magnesia sulphurica, Tart. natronatus u, dergl. in schwa- 
cher Gabe, die nicht Laxiren erregt, sondern länger im {Dgen 
verweilt und hier kühlt, nicht minder wohlthuend. — Der 
schlagendste Beweis, dass Blutanhäufung in den Gefässen des 
Magens die Schuld des Uebels trugen, ıst der, dass Pat. nach 
langen Leiden endlich plötzlich und ohne vorhergegangene Pro- 
dormen einen mehrwöchentlichen Blutabgang aus den After be- 
kam und dabei seine Pyrosis verlor. Ohne entscheiden zu wol- 
len, welchen Theil die Naturheilkraft und welchen die Kunst 
an dieser wohlthätigen Ablagerung hat „x glaube ich, dass die 
gefüllten Bauchyenen, so von ihren Stockungen befreit, wie- 
derum Energie bekamen, sich normal zu contrahiren und durch 
eigene Thätigkeit neue Stockungen: zu verhüten, denn weder 
die Pyrosis, noch der Afterblutfluss ist je zurückgekehrt, Hä- 
morrhoidalisch war das Uebel nicht, 1) weil Pat. ohne solche 
Anlagen war und seine ganze Constitution, die wohl von einem 
Uebervermögen des Arterien-, aber nicht des Venensystems 
zeugt, dagegen spricht; 2) weil seine frühern Aerzte, die ent- 
weder ein Hämorrhoidalleiden vermuthet oder geglaubt haben, 
durch Hervorrufung eines. solchen die gestörte Ordnung in den 
Functionen des Unterleibes wieder herstellen zu können, damit 
nicht zum. Zwecke kamen, obgleich sie sich alle ersinnliche 
Mühe gegeben habenz und 3) weil der ein Mal eingetretene 
Hämorrheidalfluss bei einem 40° und nach so langen Leiden 
entweder wiederkehrt oder das alte Uebel wieder erwacht seyn 
würde, .Wir finden einen ganz ähnlichen Conzestionszustand 
bei Schwangern, bei denen das Blut durch die Menstruation 
nicht mehr ausgeführt, von dem Embryo aber noch nicht con- 
sumirt wird; sich also anhäuft, nach dem Magen drängt und 
hier Pyrosis, Uebelkeit, Erbrechen und selbst Cardialgie erregt. 
Aber diese Uebel verlieren sich in den spätern Schwangerschafts- 
monaten von selbst, sobald die im Uterus eingeschlossene Frucht 
deu mütterlichen BlutüberÄluss verbraucht uud dieser von dem hbe-
	        
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