Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

00 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
Diarrhöe in den letzten Tagen und öfteres Erbrechen für solche 
halten will, die aber wohl mit mehr Recht als Symptom der 
Entzündung zu nehmen sind. Erst am letzten Tage trat profu 
ser, wässriger, doch nicht riechender Schweiss ein. Bei der 
Section flössen aus der geöffneten Bauchhöhle gegen 16 Unzen 
geruchloses, gelbliches Serum. Der ganze Darmkanal, den 
Magen ausgenommen, war entzündet und die Villosa an eini 
gen kleinen Stellen brandig. Die linke Niere ragte aus der 
Lumbargegend bis über das Pancreas und die Aorta hinüber 
und bildete die Geschwulst, die durch die Bauchbedeckungen 
Ton aussen deutlich zu fühlen und mit den nahen Därmen und 
dem Pancreas durch Zellgewebe fest verbunden war. Die ur 
sprüngliche Form derselben war ganz verwischt; sie bildete 
eine längliche, ganz runde Masse , die eine gesunde Niere ums 
Doppelte an Länge und Schwere überstieg. Von einem Hilus 
sah man kaum noch eine Spur und die Oberfläche hatte wellen 
förmige Erhabenheiten, durch die sich undeutliche Fluctuation 
fühlbar machte. Bei einem Längenschuitte quoll aus 8—10 
Stellen eine fast milchweisse Flüssigkeit von dicklicher, rahm 
artiger Consistenz und ohne allen Geruch hervor. Nähere Un 
tersuchung ergab, dass diese Flüssigkeit in bohnengrossen Cysten 
enthalten war, deren Wandungen eine feste knöcherne Masse 
umschloss. Sie waren sämmtlich voll, verschlossen und>stan 
den somit in keiner directen offenen Verbindung mit den Ure- 
teren. Schon als man die Niere durchschnitt, verriet!» sich diese 
Beschaffenheit deutlicli dem Gefühle. Nachdem man den flüs 
sigem Theil des Cysteninhalts entfernt, blieb eine festere gru- 
möse Masse zurück, die mit dem steinigen Ueberzuge der in- 
nern Oberfläche eines jeden lederartig dicken und festen Cysten 
balges agglutinirt war. Die beiden Schnittflächen sahen jetzt wie 
eine durchschnittene Bienenrose aus. Das Parenchym war ganz 
verschwunden, nur unter der Membrana propria bemerkte man 
noch ein kaum 1 Linie dickes Rudiment der Corticalsubstanz und 
zwischen 2 Cysten noch einen unbedeutenden Ueberrest derselben, 
aus dem sich eine Papille mit sehr engem Kelche in den offenen 
, Ureter einmündete. Doch konnte man nur mit einiger Gewalt mit 
einer Sonde vom Hilus aus zum erwähnten Papillenrudiment gelan 
gen , so fest nämlich pressten jenen Kelch die umgebenden Cysten 
zusammen. Die rechte Niere, eben so abnorm vergrossert und 
geformt, lag zwar normal, ihre Substanz war aber eben so patho 
logisch verändert. Von Cortial- oder Medullarsubstanz bemerkte 
man hier gar nichts mehr, eben so wenig von Papillen oder 
Kelchen und einem Pclvis renalis. Der Ureter mündete zwar in 
den Hitus noch offen ein, war auch bis zur Einmündung in 
die Blase ebenso wie der linke offen und leer; allein die in das 
Nierenbecken gewöhnlich mündenden Calyces waren verschlos 
sen. Die Blase war ganz zusammengefallen und ohne Urin, 
die innerste Haut aber entzündet und gleichsam roth injicirt.
	        
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