Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 80 
geröthet, der Ureter dicht unter dem Nierenbecken durch einen 
gcossen Stein völlig verstopft. Auffallend war hier Mangel 
alles Fiebers bei so bedeutender Vereiterung der Nieren. [Hufe- 
land’s Journ. cl. pract. Ileilk. 1836. Oclbr] 
37. Zwölftägige Unterdrückung der Urin-Se- 
Und Excretiou; vom M. 11. Hi\ Doehing zu Ems. Ein 
35jähriger Mann, bis zum 29. Jahre stets gesund, sprang iin 
Sommer dieses Jahres aus einein Fenster des zweiten Stocks 
eines Hauses mit gleichen Füssen auf einen festen Boden. Die 
nächste Folge davon war augenblickliche Lähmung der untern 
Extremitäten. Wie diese behandelt wurde, weiss D. nicht, 
doch soll sie mehrere Jahre gewährt haben, so dass Pat. in 
einem Wägelchen herumgefahren werden musste. Der 2ma!ige 
Gebrauch Wiesbadens stellte das Bewegungsvermägen wieder so 
weit her, dass Pat. langsam an einein Stocke gehen konnte, 
wobei er jedoch den linken Fuss nachschleifte. Seit jenem 
Sprunge bildete sich indess eine Bückgrathsverkrüinmung in der 
Art aus, dass sie beträchliche Kyphose der Rückenwirbel zur 
Folge hatte und gleichzeitig entwickelte sich Scoliosis der rech 
ten untern Hälfte des Thorax mit bedeutender Erhebung des 
Brustbeins und Verengerung des Querdurchincssers des Brust 
kastens. Arbeitsunfähig soll Pat. mehrere Jahre sich ziemlich 
wohl befunden haben, bei indess stets sehr leidendem cachecti- 
schein Aussehen. Am 8. Nov. 1835 bekam er, angeblich ohne 
vorausgegangene Schädlichkeiten, eine Urinverhaltung, die nach 
warmer Milch und einigen Dampfbädern ans Perinäum wieder 
scliwandeu. Allein schon am 13. d. M. trat dieselbe Ischurie 
ein. D. wurde jedoch erst am 16. Nov. verlangt. Er fand die Re 
gio pubis und bijpogastrica weich, nicht voll und unschmerz 
haft. Die Untersuchung durch den After ergab keine Anfül 
lung der Blase. Der Stuhl war verstopft und es fand sich kein 
Erbrechen, kein Sch weiss, wohl aber Schmerz im liuken Hy- 
pogastricum und eine feste wurstförmige Geschwulst, die sich 
aus der linken Unterrippeugegend quer nach vorn bis über die 
Linea alba erstreckten. Der Kranke schlief nicht, der Puls 
war klein, weich, hatte in der Minute 75 Schläge. Der voll 
kommen in die Blase gebrachte Calheter lieferte keinen Tropfen 
Harn, eben so wenig war Drängen zumUriniren zugegen. Um 
sich nicht zu täuschen, legte D., obgleich kein einziges Sym 
ptom für Aufüllung der Blase sprach, im Verlaufe des Uebels 
noch 4 Mal den Caiheter sehr leicht an, doch immer ohne Er 
folg. Ein falscher Weg war nicht gebahnt worden, davon hatte 
sich der Verf. mit Bestimmtheit überzeugt, obgleich er hierüber 
anfangs gegen sich selbst misstrauisch war. Dieser Zustand 
hielt bis zum 12. Tage der Harnverhaltung an, an dem ein 
sanfter Tod eintrat, nachdem in den letzten 6 Tagen noch alle 
Symptome einer Enteritis dazugekommen waren. Eine vicarirende 
Absonderung nahm man nicht wahr, wenn man nicht wässrige
	        
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