Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 85 
ohne dass die Eltern viel gefürchtet, in der letzten Nacht ge 
storben. Die ihm verordnete Arznei hatte in Inf. Digitalis 
mit Salz bestanden. Da B. noch keine Idee über die Natur 
dieses eigenlhiimlichen Bebels hatte, glaubte er, dass der Knabe 
an Wassersucht in Folge des Scharlachs gestorben sei. Der 
jüngere Knabe war, als B. zurück kam, noch krank. Er war 
S Jahre alt und bisher immer gesund. Das Scharlachfieber 
war eben so regelmässig, wie bei dem Bruder verlaufen, die Ab 
schuppung halte begonnen, und indess hatte er, wie der Bru 
der, bei völligem Wohlbefinden aus Uebermuth das Bett ver 
lassen und war im Zimmer herumgetanzt, worauf sich auch 
bei ihm Anschwellung der Haut, und besonders des Gesichts 
eingestellt und der Appetit sich wieder verloren hatte, auch der 
Knabe immer schwächer, stiller und einsylbiger geworden war. 
Als ihn B. sah, iand er ihn bleich, von leucophlegmatischein 
Ansehen, aber ohne bemerkbare Hautgeschwulst, auf dem 
Rücken liegen, über nichts klagend, gleichgültig, ganz fieber 
los und er glaubte es nur mit Schwäche als Folge des Schar 
lachs zu tlinn zu haben. Appetit war nicht zugegen, der 
Durst sehr gering, und die Zunge rein, feucht. Oelfnung war 
regelmässig 2 Mal in 24 Stunden erfolgt und dabei auch immer 
Urin abgegangeu. Alles diess schien Geneigtheit zu einem 
nervösen Zustande anzuzeigen und B verordnete daher Milch 
zum Getränk als urintreibendes Mittel, dessen Wirksamkeit er 
in dieser Beziehung aus Erfahrung, besonders bei Kindern, 
rühmen kann, da der Urin nur 2 Mal in 24 Stunden abgegan- 
gen war. Uebrigens stellte er eine gute Prognose. Tags dar 
auf sah der "Verf. den Knaben unverändert mit demselben 
bleichen etwas gedunsenen Aussehen, fast noch gleichgültiger, 
als Tags vorher, ganz ohne Fieber, ohne Schmerzen, Er halte 
gut geschlafen, wieder 2 Mal Oelfnung gehabt und dabei Urin 
gelassen, ausserdem aber nicht. Die Stuhlausleerung^war, wie 
immer, weich und breiartig gewesen. Der Leib war weich, die 
Blasengegend nicht aufgetriebeu. Er hatte etwas Suppe und et 
wa 4-Quart Milch tnitWaser zu sich genommen, kurz: noch stand 
Alles gut. Tags darauf hatte man keinen Harn aufgehoben, 
obgleich B. diess angeordnet hatte. Er sollte übrigens wieder 
2 Mal Oelfnung gehabt und dabei Harn gelassen haben. 
Alles schien unverändert. Erst am nächsten Tage sah B. das 
Uringlas, in dem sich kaum ein halber Theelöllel einer dick 
lichen, schleimigen Masse befand. Es sollte diess aller Urin 
seyn, den der Knabe bei wieder 2 maliger Oelfnung und über 
haupt in 24 Stunden gelassen habe. Jetzt erst zeigte es sich, 
in welcher Gefahr Pat. sich befinde. Obgleich die Blasenge 
gend nicht aufgetrieben war, wurde doch ein Katheter appli- 
cirt > was leicht geschah, doch ging danach auch nicht ein 
Tropfen Harn ab. Das Befinden war sonst unverändert: Der 
Knabe sah bleich aus, war schwach, matt, sprach wenig und
	        
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