Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

68 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
des Sehvermögens. Zugleich magerte der Knabe schnell und 
stark ab, verlor nach 3 Wochen die Sprache und gab seitdem 
keinen andern Laut von sich, als von Minute zu Minute lautes 
Stöhnen, wobei er den Mund verzog und den Kopi hintenüber 
warf. Dabei hatte er Erectionen und die eine Hand immer an 
den Geschlechtstheilen, während er mit der andern an Nase, 
Augen oder Munde bohrte. Ausser etwas Glaubersalz wurde 
noch ein Versuch gemacht, da aber dieser nicht recht gelang, 
stand man davon ab und iiberliess den Kranken ganz der Natur 
bis zum 14. Sept., dem 30. Krankheitstage, wo ihn C. zuerst 
sah. Er lag mit ausgespreizten Beinen, die eine Hand am halb 
erigirten Penis, mit der andern sich an den Lippen zupfend 
und war so abgemagert, dass das Gesicht faltig, die Augen 
tiefliegend und die Lippen zur Bedeckung der Zähne fast zu 
kurz erschienen. Die Haut war trocken, spröde, hier und da 
von kleinen Ilautknötchen rauh, nur massig und nicht bren 
nend heiss. Am heissesten war der Kopf. Im Gesichte wech 
selten fast immer schnell Blässe und leichte Rothe. Die Pupil 
len waren merklich erweitert und zogen sich auf Licht nur 
sehr wenig zusammen. Nase, Lippen und Zähne waren mit 
trocknem, braunem Schmutze bedeckt, woran der Knabe immer 
zupfte, die Zunge aber war feucht und nur weisslich iiberstri- 
chen. Der Bauch war stark eingefallen, ob schmerzhaft bei 
Berührung, war nicht zu bestimmen, da Pat., sobald man ihn 
wo anfasste, laut aufschrie und das Gesicht hässlich verzog. 
Der Puls war klein, härtlich, gespannt und hatte 100 Schläge 
in der Minute. ürinabgang und noch mehr Stuhlgang waren 
fortwährend träge, beides aber ganz unwillkürlich. Manchmal 
schlang der Knabe einen Löffel Flüssigkeit, den man ihm vor- J 
sichtig einflösste, ordentlich herab, oft aber liess er wieder al- i 
les aus den Mundwinkeln laufen. Auch bemerkte man sonst i 
nichts vou Bewusstseyn, Krämpfe aber, so wie weitere Spuren 1 
von Lähmung hatten sich nicht gezeigt. |G. war weder übet s 
die Diagnose, noch über die Prognose irgend in Zweifel. An- { 
nehmend, dass die Zeit kräftiger Curversuche vorüber sei, be- i 
gniigte er sich mit kalten Umschlägen, mit Calomel zu 1 Gran i 
alle 2 Stunden, mehreren Sinapismen und Vesicatoren und ] 
einem Inj. Valer. mit etwas Tart. natronatus. Als aber da- < 
rauf unmerklich jedes Mal nach Einnehmen der Mixtur die Hitz 0 1 
stieg und am nächsten Tage der Zustand doch noch derselbe 1 
war, ja die Pupillen etwas beweglicher schienen, entschloss { 
sich C. zu einer eingreifenden Behandlung. Er liess 10 Blut' 1 
egel an den Kopf setzen und gab Calomel zu 2 Gran p. d* i 
liess aber ausserdem mit den kalten Umschlägen und wiederhol' 
ten Epispasticis fleissig fortfahren. Die Blutentziehung war seht 1 
reichlich und Pat. wurde darauf so blass, schwach und still» i 
dass mehrere Stunden der Tod nahe schien. Damit war abet t 
auch die Macht der Krankheit gebrochen. Schon die nächst 0
	        
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