Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

62 IY. Gynäkologie und Pädiatrik. 
schwanger zu seyn. Bei der Untersuchung fand sich der Grund 
des Uterus links über den Nabel gestellt, die Scheide mit 
höchst übel riechender Janche angefüllt, der Scheidenabschnitt 
leicht erreichbar und der ganze Mutterhals in harte und theil- 
weise exuicerirte Knoten bis zur Grösse einer Haselnuss umge 
wandelt, so dass sich die Mutterlippen niclit mehr unterschei 
den liesscn. Der Muttermund war so weit geöffnet, dass man 
mit 2 Fingern eingehen und die gespannten Eihäute des Kopfes 
eines Kindes im Uterus fühlen konnte. Die Frau hatte schon 
seit Jahren ihre Periode unregelmässig gehabt und seitdem über 
Schmerzen in den Genitalien geklagt. Als Pat. Ende Decbr. 
1834 untersucht wurde, war sie schon im 6. oder 7. Monate 
schwanger und Ende Febr. 1835 gebar sie ein todtes Kind. 
8 Stunden nach der Geburt trat eine starke Gebärmutterblutung 
ein; die indess beseitigt wurde. Die Exulceration des Uterus 
schritt jedoch unaufhaltsam fort, der Urin ging unwillkürlich 
ab, Pat. zehrte sich unter grossen Leiden zum Scalett ab und 
nach einigen Monaten endigte der Tod das traurige Leben. 
[Med. Zeit. v. Vereine f. Heilk. in Pr. 1836. Nr. 51.] 
29. Febris scarlatinosa sine scarlatina; be 
obachtet von Dr. Voigt zu Leipzig. — Während im ver- 
wichenen Herbste das Scharlachlieber sielt sporadisch zeigte 
und ich einige solche Kranke, sämmtlich Schulkinder, zu be 
handeln halte, erkrankt ohne bekannte Veranlassung die 12jäh- 
rige Tochter einer Familie, die mit andern in vielfachem Ver 
kehr steht, und klagt über Halsschmerzen, Durst und Brennen 
in der Haut, abwechselnd mit Frösteln. Das an sich fröhliche 
Kind war jetzt eigensinnig, fieberte massig, schluckte mit An 
strengung und nicht ohne Schmerz; die geschwollenen Mandel- 
driisen, wie der ganze Bachen, waren mit einer erhöhten lföthe 
überzogen; auch äusserlich am Halse war eine schwache 
Röthung der Haut wahrzunehmen; sonst fanden sich keine 
krankhaften Symptome. — Da Pat. das Scharlachfieber noch 
nicht gehabt hatte, da sie in der Schule mit an dieser Aus 
schlagskrankheit genesenen Kindern zusammen gekommen war 
und, w ie schon gesagt, solche Erkrankungen in der Stadt noch 
vorkamen, so erklärte ich vorliegenden Krankheitsfall für be 
ginnendes Scharlachfieber und ordnete das zur Heilung Erfor 
derliche an. Allein die Röthe des äusseren Halses nahm weder 
in- noch extensiv zu und war den 3. Tag schon verschwunden. 
Das Fieber halte sich, ohne stärker geworden zu sein, in die 
ser Zeit auch verloren und die letzten Schlingbeschwerden wa 
ren den 5. Tag empfunden worden; Pat. w ar den 8. Tag schon 
wieder in der Schule. — Da dieser zeitige Ausgang keinen 
Nachtheil brachte und da sich in den folgenden Tagen keine 
Spur einer Desquamation zeigte, glaubte ich mich in der Dia 
gnose geirrt zu haben, indem ich die Hautröthe am Halse den» 
Gebrauche der Wolle zuschrieb, welche man um deu leidende»
	        
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