Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 489 
der penetrirten Stelle mit der Linsenkapsel verwachsen und 
M'in kl ich verzogen, die obern Hälfte der Linsenkapsel cataractös, 
ein Eiterdepot im Auge und Conjunctiva und Sclerotica mit ent 
zündeten Gefässen überladen. Blutegel, Mercurialeinreibungen, 
Laxanzen, Einträufeln eines Inf. Beilad. und später fliegende 
Vesicatore bewirkten bald vollständige Aufsaugung des Eiters 
und hoben die Entzündung. Es blieb jedoch Cataracta ca- 
psulo-lenticularis in der obern Hälfte des Linsensystems zurück, 
so dass der Knabe nur grössere Gegenstände, wenn die Strah 
len von unten ins Auge kommen, selten kann. [Med, Zeit. v. 
Vereine j. Ilcilk. in Pr. 1837. Nr. 11.] 
IV. Gtnaekologie und Paediatrik. 
212. Ein Fall von Verletzung der Schädelkno 
chen und Zerreissung des Sinus longitudinalis bei 
natürlicher Geburt; von Dr. Michaelis in Kiel. Eine 
Erstgebärende von 36 Jahren hatte schon 36 Stunden schwache 
Wehen gehabt, als am 29. Febr. 1836 um 4 Uhr Nachmittags 
das Wasser abging. Die Hebamme fand den Muttermund erst 
eben geöffnet, wulstig, hart. Bis zum andern Morgen 6 Uhr 
schritt die Geburt unter guten, doch keineswegs besonders 
schmerzhaften oder heftigen Wehen langsam vorwärts, und um 
die genannte Zeit war der Muttermund verschwunden und der 
Kopf ganz ins Becken getreten. Wegen ganz ungewöhnlicher 
Empfindlichkeit der Frau hatte die Hebamme kaum untersuchen 
können und bei früh eingetretener Kopfgeschwulst den Kopf 
stand nicht genau erkannt, glaubte jedoch, es sei die zweite 
Scheitelstellung. Um 8 Uhr Morgens den 1. März wurde M. 
gerufen, weil die Geburt nach 52stiindiger Dauer nicht fortschritt. 
Er fand die Frau seit 2 Stunden auf dem Geburtsstuhle liegend, 
mit hartem, beschleunigtem Pulse, sie war sehr ängstlich und 
der Leib unschmerzhaft, wenn auch links am Fundus utcri 
ein mehr als faustgrosser Tumor /ibrosus bemerkt w urde. Die 
Wehen waren gut, doch nicht ungestüm. Die Sclieide war 
beim Untersuchen höchst reizbar, trocken, heiss, der Damm 
hart. Der Kopf stand ganz im Becken, die starke Kopfge 
schwulst dicht hinter den Lefzen. Der Stand des Kopfs liess 
sich nicht genau ermitteln, da die Kopfgeschwulst alles bedeckte 
und der Kopf sich weich, die Knochen leicht knisternd zeig 
ten, weswegen tieferes Eingehen nicht rathsam, so wie auch 
vor der Hand nicht nöthig schien. M. befahl die Frau ins Bett 
zu legen und w arme Umschläge über die Genitalien zu machen. 
Schon nach 2 Stunden hatte sich Alles geändert. Die Ge- 
schlechtstheile waren natürlich intumescirt, die Scheide schlei- 
migt und nicht empfindlich und der Kopf rückte bei guten We 
hen vor, nur stemmte er sich, wie es schien, noch stark ge-
	        
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