Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
das Entropium bedingt, ist eben so zweifelhaft, indem auch 
dieser sich gewöhnlich wieder verkürzt und der Augenlider- 
rand nachher oft noch schlechtere Lage erhäjt, als früher. 
Gänzliche Abtragung des Tarsus aber verursacht beträchtliche 
"Verwundung und Verstümmelung. Excision eines Stücks aus der 
äussern Augenlidplatte, um durch erste Vereinigung der Wunde 
Verkürzung derselben und Auswärtskehren des Augenlides zu 
bewirken, passt aber auch nicht überall und die Vernarbung 
der mit dem Augenlidrande parallellaufenden Wunde, die nahe 
am Augenliderraiule gesetzt wird und wodurch nur einige Li 
nien der oft, besonders bei Alten, sehr laxen äussern Augen- 
lidplatte entfernt worden sind, dehnt sich allmählig durch Er 
schlaffung wieder aus und das Augenlid kehrt sich wieder ein 
wärts. Eine andere Operationsart des Entropium, die ß. 
in einem Falle bereits mit glücklichem Erfolge angewendet hat, 
scheint den meisten dieser Uebelstände abzuhelfen. Es ist fol 
gende: Behufs der Operation des Entropiums mache man beim 
obern Augenlide etwa 5 Linien über, beim obern Lide 5 Li 
nien unter dem Augenhöhlenrande eineu Querschnitt durch die 
Haut, der ungefähr ^ Zoll gross sei. Ist derselbe gemacht, 
so bewirke man von da aus nach dem Rande des Augenlides 
hin 2 Längen- oder Perpendiculärschnitte durch die Haut, die 
nach dem Augenliderrande hin convergiren und sich 1| bis 2 
Linien vom Augenliderrande entfernt endigen und zwar so, dass 
wenn der vom Augenlide entfernte obere und untere Querrand 
etwa 6 Linien beträgt, der dem Augenlide U bis 2 Linien 
nahe Quetrand des durch die 3 Schnitte gebildeten Hautlappens 
ungefähr 3 Linien Breite behält. Nun präparire man den durch 
die 3 Schnitte bewirkten Hautlappen los, schneide, nach gehö 
rigem Messen und Anziehen des Lappens, vom erstem am obern, 
vom zweiten am untern Ende oder seiner Basis so viel ab, als 
nöthig erscheint zur normalen Auswärtskehrung des Angenlid 
randes und der Cilien, was man durch Anlegung des beab 
sichtigten neuen Randes des Lappens am obern und untern 
Rande des zuerst gemachten Querschnitts ermisst. Wenn dies 
geschehen ist, hefte man die Basis des Lappens mittelst zweier 
blutigen Hefte an den Rand dieses Querschnitts und suche die 
Anheilung des Lappens mittelst Heftpflasterstreifchen in der gan 
zen Ausdehnung zu befördern. Wo es nöthig scheinen sollte, 
kann man auch die Längenschnitte nach rechts und links mit 
telst blutiger Hefte mit den benachbarten Hautgebilden zu ver 
einigen suchen. Die Bewegungen des Auges müssen dabei 
einige Tage mittelst eines leichten, passenden Verbandes, s» 
wie durch Entziehung des Lichts und ruhiges Verhalten mög 
lichst gehindert werden. Dass man die Haare des Arcus su- 
praciliaris, in so fern dies wegen der beiden Längenschnitte 
nöthig ist, zuvor wegnehmen müsse, versteht sich von selbst. 
Der verkürzte Haullappeu wird in der Regel leicht anheilen
	        
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