Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 469 
Flüssigkeiten hinzu. Als am 31. Aug. Morgens Brechen und 
Purgiren zunahm und die Kranke ihrer Umgebung sehr krank 
erschien, erhielt D. erst Anzeige davon. Der erste Blick zeigte 
ihm ein Bild, das in allen Nuancen der wahren Cholera, wie 
er sie früher in Güstrow vielfach bei rettungslosen Cholerakran 
ken gesehen, glich. Die Physiognomie war bis zur Unkennt 
lichkeit entstellt, der Blick der Augen gläsern, passiv, die Con- 
junctiva injicirt, die Bulbi von den schlaffen Augenlidern halb 
bedeckt und sie lagen tief in den Hohlen, die ein breiter, dunkel 
violetter Halbring umgab; das Gesicht war fähigrau, der linke 
Mundwinkel hing erschlafft abwärts, die Haare waren nass, 
kalt und das ganze Gesicht, vorzüglich die Nase und Lippen, eben 
so die ausgestreckte, zitternde, breite und feuchte und reine Zunge 
fühlten sich eisig kalt an. Hautfaiten im Gesichte, am Halse, 
dem Unterleibe und den eisigkaiten Extremitäten blieben lange 
stehen, die Finger waren in die Länge gefaltet, an beiden 
Handgelenken nahm man nichts vom Pulse wahr und die Haut 
der Vorderarme und Hände erschien bläulich - roth. Pat. 
stöhnte lallend und schwach über unerträgliche, allgemeine 
Angst und über Schmerzen in den krampfhaft hart geballten 
"Waden, ferner über erschwertes Gehör und unlöschbaren Durst, 
auch zeigte sich durch stetes Herauslegen der Hände grosse 
Unruhe. Mit geringen Pausen dauerte das Brechen, unter dem 
der Cholera eigentümlichen, plötzlichen Herausstürzen der 
Flüssigkeiten in dickem Strahle, bis Abends 6 Uhr, die letzte 
Stunde jedoch seltener, Urin war seit der Nacht abgegangen. 
Man legte heisse Kruken zu beiden Seiten des Rumpfes und 
den Extremitäten an und applicirte den untern Extremitäten 
kleine und dem Unterleibe ein l2zolliges, geschärftes Senfpfla 
ster. Als Getränk nahin Pat. kaltes Wasser nach Belieben in 
stets kleinen Portionen und innerlich erhielt sie: liec. E.rtr. 
ralanh. 5ij. Liq. ammon. acet. Ph. Bor. yv. Tinct. opii 
simpl. 5j. M. D. S. Alle halbe Stunden einen kleinen Ess 
löffel voll. Mittags 1 Uhr wurde der ganze Körper zwar warm, 
doch schienen alle übrigen Symptome gesteigert, die Abgänge 
per anum erfolgten bewusstlos, der Puls war und blieb unfühl- 
har und die Gesichtsentstellung auffallender. Von 3 Uhr Nach 
mittags an, war der ganze Körper wieder eisig kalt und das 
erdfahle, verschrumpfte Gesicht mit den violetten Ringen unter 
den tief in die Höhlen versunkenen, halbbedeckten, glanzlosen 
Augen liess das characteristische Bild eines lebenden Todten 
erkennen. Die Sprache war unverständlich, lallend, heiser, das 
Gehör sehr erschwert und Angst und Unruhe gross. Senfpfla 
ster und äussere Erwärmung wurden erneuert und zum innern 
Gebrauche, wechselnd mit der ersten Medicin verordnet: Rec. 
Kali depur. 5j. Succ. Citr. ^ij. Inf, rad. fauler. =jij. — Ar- 
nic. 5/S. Liq. Ammon, succ. 5ij. M. D. S, Stündlich 1 Ess 
löffel. Nachts 2 lihr trat einige Ruhe ein, der Körper wurde
	        
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