Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 455 
geringfügigsten Ursachen wiederkehrt, obgleich sie ursprünglich 
nur durch Anschauen eines epileptischen Anfalles entstanden 
war. Hat man zureichenden Grund den concreten Fall als rein 
dynamisches Leiden anzusehen, so macht es oft nicht geringere 
Schwierigkeiten zu bestimmen: ob der Grund des Uebels in 
den Nerven, in den Blutgefässen, oder aber in der Schleimhaut 
des Magens sitze, — ob und wie diese Zustände mit einander 
complicirt und so vereint zur Entstehung des Uebels gewirkt 
haben? Hysterismus mit Plethora universalis unA ahdöjmnalis, 
Blutcongesliun nach den Magenhäuten bei allgemeiner Nerven 
schwäche, chronische Leiden der Darmschleimhaut bei Hypo 
chondrie etc. Hiernächst nehmen etwaige Giickwirkungen patho 
logischer Zustände anderer Organe die ganze Aufmerksamkeit 
in Anspruch; Keactionen auf den Magen nach dem Gesetze des 
Consensus oder des Antagonismus, wie man sie beobachtet von 
Cerebralaffectionen dynamischer oder organischer Art und noch 
häufiger von Krankheiten der Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse, 
Nieren, Harnblase, Gebärmutter und des ganzen Tractus inte- 
slinorum mit seinen Contenlis an Secreten oder lebenden und 
todten Afterproduclionen. Endlich bilden einen wichtigen Punct 
der Untersuchung die allgemeinen Krankheiten des ganzen Kör 
pers, die metascliematisch oder metastatisch anf sehr mannigfache 
Weise den Magen in ihre Sphäre ziehen, wohin besonders die 
Dyscrasieen und Secretionen, wenn sie unterdrückt werden, zu 
rechnen sind.— Diese kurzen Andeutungen schickt der Yerf. vor 
aus als Einleitung zu einer Reihe Krankheitsfälle von chronischem 
Erbrechen, die er in einer mehr als 25jährigen Praxis beobach 
tete und mit verschiedenem Erfolg behandelte. Als Hauptcr- 
gebniss der gewonnenen Erfahrungen möchte er die Warnung 
aufstellen: nicht zu rasch und nicht zu sicher bei chronischen 
Krankheiten überhaupt, beim chronischen Erbrechen aber ganz 
besonders, den Ausspruch zu wagen: hier ist ein Morbus or- 
ganicus, mithin insanabilis. Die Erkenntniss ist zu schwer, 
ein Irrthum immer möglich. Wenn man sich in einem bestimm 
ten Falle von dem ganzen frühem Leben des Kranken nach al 
len pathologischen Momenten hin , so wie von Entstehung und 
allmählicher Ausbildung des gegenwärtigen Leidens genaue 
Kenntniss verschafft und diese durch wiederholtes Kranker.exa- 
nten und sorfältige Beobachtung ergänzt und vervollständigt hat, 
dann das Uebel als einen durch Concurrenz dieser oder jener 
Schädlichkeit bewirkten dynamischen Krankheitszustand erken 
nen zu müssen glaubt und ein passendes Heilverfahren dagegen 
angewendet und lange beharrlich lortgesetzt hat, das Uebel 
aber doch allen Bemühungen Hohn spricht, das Erbrechen im 
mer und immer wiederkehrt, wenn es besonders Vomitus inge- 
storum ist, jede Nahrung, auch die mildeste, alle Beschwerden 
hervorruft und durch Erbrechen in kürzerer oder längerer Zeit 
nach dem Gcuusse wieder ausgeworfen wird: muss mau dann
	        
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