Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

III. Chirurgie und Ophthalmologie. 437 
nach Göppersdorf in die Wohnung des Verstorbenen zu bege 
hen, den Hergang der Sache zu untersuchen und das Nöthige 
ln der Sache zu verfügen. Dieser Hess, seiner Pflicht und dem 
erhaltenen Aufträge gemäss, alle, von dem Verstorbenen wäh 
rend der letzten Krankheit gebrauchten Effecten vernichten, 
Betten und Wäsche aber auf dein nahgelegenen Felde ver 
brennen. Die Sache machte natürlich Aufsehen in dem Dorfe 
Und der nahgelegenen Stadt, wodurch bei den Kindern und 
Anverwandten der B öttger’schen Eheleute der Wahn ge 
kränkter Ehre, und in Rücksicht der verbrannten Belten, Wä 
sche und Effecten, der Geiz aufgeregt und angegrilfen worden 
seyn mochte. Sie gaben vor, ich habe ihren verstorbenen Vater im 
Tode prostituirl und ihnen eine unnöthige gerichtliche Untersuchung 
zugezogen, Kosten verursacht und durch mein Verfahren der 
ganzen Familie eine üble Nachrede bereitet. Sie verklagten 
mich daher förmlich bei dem Amte Rochsburg, welches mein 
Gerichtsstand war, machten mir eine Menge unnöthiger Wege 
in das 1 Stunde von meinem Wohnorte entfernte Amt, und 
eine Anzahl Zeit raubender Schreibereien zu meiner Vertheidi- 
gniig gegen eine eben so leere, als ungerechte Beschuldigung; 
erhielten jedoch nach Austrag der Sache den gerechten Be 
scheid: „dass, da ich in dieser Sache nicht anders habe han 
deln dürfen, sie dem Amte die aufgelattfeiien Gerichtskosten, 
mir dagegen mein liquidirles Sostrum zu bezahlen gehalten wä 
ren.“ — Hieraus erhellt, dass selbst die pünktlichste Pflichter 
füllung dem Arzte in ähnlichen Fällen eine Verantwortlichkeit 
zuzirhen kann. 
182. Wirkung der schiefen Stellung eines 
Zahns; vom Zahnarzte Aluhecht in Berlin. Ein 12jähriger 
Knabe litt seit einem halben Jahre täglich an den heftigsten 
Krämpfen. Bei den Vorboten des Anfalls wünschte er sich 
jedesmal den Tod: so gross war der Schmerz, der zuerst in 
der Temporalgegend entstand, tief in den Gehörgang sich er 
streckte und dann in allgemeine Convulsionen überging. Die 
Ursache Hess sich nicht auffinden und das symptomatische Heil 
verfahren blieb durchaus ohne Erfolg. Pat. war cachectisch 
und 8crophulös. A. fand eine seltene Stellung sämmtlichcr 
Zähne. Der Unterkiefer war sehr schlecht gebaut, die Zähne 
so abnorm gross, dass sie, schief nach aussen und innen ge 
drängt, gleichsam das Ansehen einer doppelten Reihe hatten 
und doch war die Zahl dem Alter des Knaben angemessen. 
Bei genauer Untersuchung der rechten Seite des Unterkiefers, 
ivo der Schmerz, wie der Knabe angab, in der Schliffengegend 
anfing, fand A. den letzten Backzahn mit der hintern Hälfte 
der Krone in die Basis proccssus coronoidei maxillae inferio- 
t'is schief eingeklemmt, das Centrum der Krone zeigte eine ca- 
i'öse Stelle, doch war der Nerv nicht entblösst und Finger 
druck von oben nach unten, selbst Gegenschlageu bewirkte
	        
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