Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

III. Chirurgie und Ophthalmologie. 431 
Sende; 1) eine Frau von 53 Jahren, Mutter von 8 Kindern, 
bemerkte am 20. Sept. 1835 plötzlich eine schmerzhafte Ge 
schwulst in der rechten Leistengegend, ohne von einer Ursache 
zu wissen. Sie gab jedoch der Emplindlichkeit ungeachtet gar 
nichts darauf und besorgte ihre Geschälte fort, wenn auch mit 
Jeder Stunde ihre Leiden zu- und ihre körperlichen Kräfte ab- 
nahmen, bis sie endlich der heftigsten Schmerzen im Unterleib 
ül >d des bereits mehrmals erfolgten Brechens wegen sich ins 
Kett legen musste und die Nacht hindurch, das Uebel für Co- 
hk haltend, dagegen Hausmittel brauchte. Doch der Zustand 
Verschlimmerte sich in der Nacht immer mehr und am andern 
Morgen waren die Symptome der Einklemmung auf sehr ge 
fährliche- Höhe gestiegen. Nun erst schickte sie nach dem 
Verf., nachdem bereits volle 24 Stunden verflossen waren. H. 
fand die Frau im Bette mit vorwärts geneigtem Körper, um 
sich so wegen heftiger Schmerzen des Unterleibs und der 
Bruchgeschwulst einige Erleichterung zu verschalFen. Sie hatte 
bereits Facies hippocratica, häuliges Erbrechen, viel Durst 
und gelblich belegte Zunge. Einmal war Singultus eingetreten, 
der Puls war äusserst klein, hier lind da aussetzend, der Bauch 
sehr empfindlich und ebenso die Bruchgeschwulst, die als rech 
ter Schenkelbruch erkannt wurde, bei Befühlung höchst schmerz 
haft, Leibesöllnnng fehlte schon seit 36 Stunden. Pat. konnte 
sich kaum bewegen, ohne laut zu schreien. Bei diesem Stande 
der Sachen liess H., ohne mit andern Mitteln Zeit zu verlieren, 
da ohnehin keine zu verlieren und die Operation angezeigt war, 
gleich ein warmes Bad bereiten und Pat. in dasselbe bringen, 
Worauf er dann etwa 8 Minuten wartete. Nun fing er, ohne 
einen Versuch des Drucks vorher auf die so schon äusserst 
empfindliche Bruchgeschwulst zu machen, sogleich mit den 
Bauchmanipulationen an und nachdem er einige Minuten diesel 
ben ausgeübt hatte, versuchte er die Reduction. Doch dieselbe 
gelang noch nicht. H. liess daher die Frau einige Minuten 
ruhen und wiederholte dann das Verfahren wieder, worauf 
endlich die Reposition völlig glückte. Pat. wurde nun gleich 
V' 8 Bett gebracht, H. empfahl ihr die grösste Ruhe, verordnete 
thr eine Oelniixtur mit JSalr. sulph. und gab ihr zugleich ein 
e rö(Fnendes Klystier. Sie fühlte sich beruhigt, aber sehr sclnvach. 
Nach 2l Stunden erfolgte reichlicher Stuhlgang. Wegen der 
S °W ohl 'noch in der Bruchgegend, als in der Umgegend des 
Bruchs zuriickbleibenden Empfindlichkeit liess der Verf. Ung. 
nea p. c. 01, hyosc. einreiben. Nach 2 Tagen ei holte sich Pat. 
»ach und nach wieder ganz, doch konnte sie erst nach dem 
zweiten Tage, wegen immer noch vorhandener Empfindlichkeit 
uer Bruchstelle, ein Bruchband anlegen. Offenbar hatte man es 
hier mit einem bedeutend entzündlichen Zustande zu tliun, bei 
uem anhaltender Druck auf die Bfuchgeschwulst gewiss mehr 
geschadet, als genützt, die entzündliche Reizung also eher ver-
	        
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