Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

426 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
bei einem jungen Handlungsdiener, bei dem ebenfalls nur der 
Urethratheil der Eichel gespalten war. Nach Abtragung der 
Ränder wurde diese eben so, wie im vorigen Falle, vereinigt 
und dann kalte Umschläge angewendet. Den Harn musste Pat. 
immer in einen grossen Topf unter Wasser lassen. Am dritten Tage 
war die vorderste Naht ausgerissen, die beiden andern aber 
hatten Vereinigung zu Stande gebracht. Bei einem jungen 
Franzosen fehlte der vordere Tlieil der Harnröhre, auch war 
die Vorhaut gespalten. D. operirte den jungen Mann, den ihm 
Segalas zugeschickt hatte, in Paris. Er bildete aus der 
Haut einen Kanal, der in die Urethra einmündete und legte 
einen feinen Catheter ein, dann machte er die Ränder der Vor 
hautspalte wund, um sie durch eine Reihe umschlungener Na 
deln vereinigen zu können und da sie sehr weit von einander 
entfernt waren, so spaltete er beide Lamellen des Präputiums 
oben in der Mitte bis zur Eichelkrone. Die untere Spaltung 
der Vorhaut war nun in eine obere verwandelt und die 
Absicht des Verfs. dabei, dem nach unten vorgebogenen 
Gliede eine Richtung nach oben zu geben. Der Erfolg war 
indess ungünstig: der sich iniiltrirende Harn zerstörte die fri 
schen Verbindungen, es hielten indess, nach Entfernung der 
Nadeln, noch einige frische Bändchen, aber ungeachtet der an 
gelegten Pflasterstreifen trennten sich auch diese wieder, da sie 
fortwährend vom Urin benetzt wurden, und weder neuer Kanal 
noch Verbindung der Vorhaut kamen zu Stande. Vielleicht 
ist das Glied jetzt etwas mehr nach oben gerichtet. — II. 
Beobachtungen über Epispadie. D. hat nur 3 Fälle 
gesehen, wo die gespaltene Harnröhre wie eine Rinne auf der 
obern Fläche des Gliedes verlief, da die Epispadie weit selte 
ner ist, als die Hypospadie. Das Glied war ungemein kurz, 
zurückgezogen und nach oben gerichtet. Die Eichelkrone be 
rührte die Bauchdecken. Die Vorhaut auf der obern Fläche 
schien wegen der Spaltung zu fehlen und bildete an der un 
tern einen dicken Wulst. Die Harmölire bildete eine tiefe 
Spalte, welche Eichel, Rücken des Penis und hinteren Theil 
der Urethra bis an oder in die Blase trennte. Beim Urin lassen 
stürzte der Harn aus dein untern Theile der Harnröhre heraus 
und benetzte die Kranken auf unangenehme Weise. Nur der 
Letzte dieser Kranken, ein junger, sehr wohlgebildeter Mensch 
von etwa 20 Jahren wünschte geheilt zu werden und gern ent 
schloss sich D. zur Operation, die er im Klinikum der Charite 
vornahm. Er trug zuerst einen strohhalmbreiten Streifen von' 
den Spaltenrändern der Harnröhre ab; vom Rande der Spalte 
in der Eichel aber entfernte er einen breitem Theil, da hier 
die Rinne ungleich tieler war. Das Abschneiden der Ränder 
geschah schräge von Aussen nach Innen, wodurch der Verf. in 
den Stand gesetzt wurde, eine Wundfläche von der Breite ei 
nes guten Strohhalms zu gewinnen, da die Lösung des eigent-
	        
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