Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

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111. Chirurgie und Ophthalmologie. 
siipraorbitulis und die gleichnamige Arterie waren zerrissen, 
das Sehvermögen aber durchaus nicht gestört. Da weder Hirn 
erschütterung noch Blutextravasat zugegen Maren, so heilten 
bei massig kühlender allgemeiner und örilicher Behandlung und 
gehöriger Vereinigung der getrennten Theiie, die Verletzungen 
am Anne, wie an der Stirn in 6 Wochen ohne Weiteres Zu, 
nur die Wunde an der Augenbraune blieb offen und der Kno 
chen entblösst. Unterdessen hatten sich im April Zeichen des 
Scorbuts, an dem Pat. schon früher gelitten, eingestellt und 
nahmen, M ährend Anwendung der gewöhnlichen antiscorbutisfthen 
Mittel, bis zum Juni so zu, dass Pat. von heftigen Schmerzen 
in den Gliedern, besonders in den Schienbeinen, sehr gequält 
wurde. Obgleich die Leiden besonders Nachts heftiger wurden 
und Pat. vor 5 Jahren einen syphilitischen Chanker am Penis 
und einen Bubo gehabt hatte, so konnte man doch kaum jetzt 
die Syphilis beschuldigen, zumal da Pat. vor 5 Jahren eine 
starke Hungercur durchgemacht und der Bubo durch ausgedehn 
ten Brand zerstört worden w ar. Nach 8monatlichem Siechthum 
hatte sich Pat. damals auch ganz erholt, war io den Ehestand 
getreten und bisher bis auf den leichten Frühlingsscorbut ganz 
gesund gewesen. Da indess die nächtlichen Knochenschmerzen 
immer stiegen, so machte der Verf. doch einen vorsichtigen 
Versuch mit dem Sublimate. Kaum aber waren iu 12 Tagen 
H Gran genommen, als schon ein Speichelfluss das Mittel aus 
zusetzen rieth und zwar um so mehr, da die Schmerzen gar 
nicht geringer geworden waren, ja im Gegentheil der Zustand 
durch eine von der Stirnwunde über das Gesicht sich ausbrei 
tende, blauschwarze Hautfärbung sich verschlimmerte. Erst 
nach 14 warmen Bädern hörte der Speichelfluss auf, das Zahn 
fleisch aber blieb aufgelockert. Die blauschwarze Hautfärbung 
zog sich über das Gesicht zum Halse hin und die Nase schwoll 
dabei stark an, besonders als sich an der innern Fläche nässende 
Schrunden ansetzten. Ob nochmalige antiscorbutische Behand 
lung, oder die im Juli und August abnehmende scorbutische 
Krankheitsconstitution es machte, dass auch hier die Glieder 
schmerzen abnahmen und die Kräfte sich etwas hoben, sei da 
hingestellt: das entblösste Zoll lange und Zoll dicke Kno- 
chenstiick des obern Orbitalrandes mit dem Foramen supra- 
orbitale stiess sich während der Zeit ab und die Wunde schloss 
sich nun. Der Supraorbitalnerve w ar also grösstentheils zerstört, 
aber nichts desto weniger das Sehvermögen auf dem linken 
Auge ganz ungestört. Somit war die Kopfverletzung, der von 
vielen gefürchteten Zerstörung des erwähnten Nerven ungeach 
tet, ohne üble Folgen abgegangen, doch die aufgeregte scorbu 
tische oder venerische Dyscrasle schien dafür das Leben mehr zu 
gefährden. Die blauschsvarze Hautlärboßg hatte die linke Hals 
sette eingenommen und zog sich von da anf Brust und Rücken 
hin. Im Sept. entstanden auf diesem blauen Grunde kleine uäs- 
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