Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

396 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
sehen Fiebers, nie den des Unterleibsentziindungen begleitenden 
oder characterisirenden Fiebers zeigt. Endlich wird in zwei 
felhaften Fällen der ganze Verlauf dem aufmerksamen Beobach 
ter Licht geben. So rapid die echte Peritonitis verläuft, so 
wenig ist dies in der Peritonalgie der Fall, die auch hierin 
sich verhält wie jedes andere acute rheumatische Uebel und 
sich 4—6 — 8 Wochen ohne dass deutliche Verschlimmerungen 
oder Kriesen sich zeigten, hinziehen kann. Und will man die 
Diagnose ex juvanlibus mit zu Hülfe nehmen, so zeigt sich 
auch darin der wesentliche Unterschied beider Formen, dass 
der Apparatus antiphlogisticus und namentlich Blutentziehun 
gen , gegen Peritonalgie nichts leisten, oft vielmehr, da sie die 
allgemeine Reizbarkeit steigern, geradezu schaden, während 
warme Bäder, Diaphoretica überhaupt, unter Umständen Brech 
mittel und örtlich warme Breiumschläge die geeigneten Mittel 
sind. Aus diesem Grunde sind auch therapeutische Uebereilun- 
gen mit Blutentziehungen bei Peritonalgie, namentlich bei Kin 
dern, so sehr zu fürchten. [Casper's Wochensehr. f. d. ges. 
Heilk. 1837. Nr. 8.] 
162. Pemphigus univers alis; vop Dr. Kapff in 
Neckarthailfingen. Ein 18jähriges, noch nicht regelmässig inen- 
struirteS Mädchen bekam im Febr. dieses Jahres zuerst am äussern 
Ende der Extremitäten helle Wasserblastn von der Grösse einer 
Haselnuss bis zu der einer welschen Nuss, die von einem rotlien 
Hofe umgeben waren. Dabei war das Allgemeinbefinden noch 
nicht gestört. Allmählig verbreiteten sich diese Blasen von der 
Peripherie gegen den Körper und bedeckten diesen endlich 
ganz, so dass zuletzt nur noch das Gesicht, und auch dieses 
nicht ganz frei blieb. Der Ausbruch wiederholte sich noch 2 
Mal und in derselben Ordnung, indem er die bisher noch ver 
schont gebliebenen .Stellen der Haut nachholte; nur wurden die 
Blasen wegen des beschränkten Raumes jedes Mal kleiner. 
Die anfangs wasserhelle Flüssigkeit wurde nach einigen Tagen 
milchig. Dass der Zustand, nachdem ein Mal der grössere 
Theil der Hautoberfläche ergriffen war, sehr peinlich W’urde, 
darf wohl nicht erwähnt werden. Die Lage konnte wegen An 
klebens der Betttücher nicht ohne bedeutende Schmerzen ver 
ändert werden, auch das Urinlassen war sehr schmerzlich, die 
geringste Entblössung machte Frieren und Schlaf und Appetit 
mangelten; doch war kein Leiden eines innern Organs zugegen, 
sondern nur die Reaction von der in so grossem Umfang ge 
störten Hautfunction, wie bei grosser oberflächlicher Verbren 
nung. Die Dauer sämmtlicher Eruptionen war 3 Wochen; es 
lüste sich aber in der Folge nicht nur die ganze Oberhaut, son 
dern alle Nägel fielen ab und auf der neuen noch ganz feinen 
Oberhaut erhob sich später flechtenartiger Ausschlag. Die Be 
handlung war einfach. Die grossem Blasen liess K. öffnen, 
um die Spannung zu mindern, und anfangs Weinsteinwasser
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.