Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

392 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
der normal wurden. Nach 14 Tagen war Pat. bereits ausser 
Gefahr und konnte bald seinem Geschäfte wieder vorstehen. —■ 
Einen andern ähnlichen Fall beobachtete B. einige Zeit darauf. 
Ein 25jähriger Töpfer von phlegmatisch-venöser Constitution be 
kam plötzlich bei seiner Arbeit heftigen Schüttelfrost und dann 
Seitenstechen, Husten und Neigung zum Erbrechen. Ein so 
gleich gerufener Wundarzt nahm 4 Aderlässe vor. Das Blut 
zeigte an der Oberfläche grünlich - graue Entzündungshaut, das 
Athmen wurde jedoch nicht darauf erleichtert, die Brustschmer 
zen nahmen zu, es stellte sich bräunliclrer Auswurf mit wirk 
lichen Blutstreifen ein und schon nach 24 Stunden delirirte 
Pat. Trockene, heisse Zunge, voller, wellenförmiger, beschleu 
nigter Puls, Zucken in den Sehnen der Hand und vieles Schlum 
mern mit halboilenen Augen machten die Prognose höchst be 
denklich. Auch hier entwarf B. mit Rücksicht auf die gerade 
bestehende allgemeine Constitution denselben Heilplan wie im 
vorher mitgetheilten Falle. Er gab ein Brechmittel und Bla 
senpflaster auf die Brust. Pat. entleerte durch mehrmaliges 
starkes Erbrechen fast über ein Maas gallig gefärbte Flüssig 
keit und bekam darauf profusen Schweiss, critischen Urin und 
ruhigen Schlaf, worauf sich nach wenigen Tagen völlige Gene 
sung einstellte, ln beiden Fällen würden die Kranken gestor 
ben seyn, wenn nicht die Colluvies biliosa, die das secundäre 
Lungenleiden unterhielt, nach oben recht zeitig ausgeleert 
worden W'äre. — Pleuritis und Pneumonia biliosa wer 
den in den meisten Handbüchern sehr kurz abgehandelt. So 
sagt Richter z. B. nur, dass sie von scharfer Galle in den 
Präcordien entstehe, die hier contensuell eben so den Seiten 
stich errege, wie in andern Fällen wüthende Kopfschmerzen. 
Ein wahres Gallenfieber begleite sie hier und man müsse bre 
chen, scharfe Galle ausleeren. Viele Aerzte nehmen Anstand 
am Vorhandeuseyn galliger Pleuresieen und sagen, das, was 
man Pleuritis biliosa nenne, sey nichts, als gewöhnliches Gal 
lenfieber mit venösen Congestionen nach den Lungen. Sie 
vergessen aber dabei, dass catarrhalische, oder rheumatische 
Erscheinungen mit im Spiele seyn können, die, ausser Brech 
mitteln, auch noch andere Mittel fordern. Stoll sprach zuerst 
ausführlich von Pleuritis biliosa und seine Schilderung passt 
ganz für alle die Fälle, welche neuerlich die Practiker so häu 
fig beobachteten. Ist der Character der Krankheitsconstitution 
rein gastrisch - biliös ohne besondere Beimischung, so werden 
Pleuritis und Pneumonia biliosa seltener Vorkommen. Dem er 
schwerten Athmen liegen in diesem Falle blos venöse Conge- 
stionen in Folge des bedeutenden Turgor biliosus zu Grunde. 
Ist jene dagegen rheumatisch, rheumatisch- oder katarrhalisch-ga 
strisch, wie man sie so häufig im Herbste beobachtet, so er 
scheinen die gerade vorkommenden Pleuresieen danach modifi- 
cirt. B. unterscheidet daher: 1) Fcbris biliosa pulmonulis.
	        
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