Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

390 I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
nach einem Brechmittel wie durch Zauber verschwinden und 
Cent. I. 14.: zur richtigen Behandlung des Wundfiebers ist 
sorgfältige Berücksichtigung der Feiris annua et statiovaria 
erforderlich. Diese beiden Sätze sollte nicht nur der Chirurg 
beherzigen, sondern überhaupt jeder Arzt, dem es darum zu 
thii* ist, die verschiedenen Complicationen des Fiebers kennen 
zu lernen. Dazu wird aber vor Allem eifriges, aufmerksames 
Studium der stehenden Krankheitsconstitution, des epidemischen 
Krankheitsgenius, so wie der geographischen, localen und kli 
matischen Verhältnisse erfordert. Wechselnd und unstät, wie 
der Character der Zeit, ist auch der Character der epidemischen 
und stationären Krankheitsconstitution. Der gewissenhafte Arzt 
wird deshalb alle Momente der Aussenwelt, jede Veränderung 
der Witterung, die Beschaffenheit der Atmosphäre und der Winde, 
den Stand der Jahreszeiten etc. benutzen, um sich eine genauere 
Diagnose des gerade bestehenden Krankheitscharacters zu verschaf 
fen. Die Symptome derselben äussern sich aber in den herrschenden 
Krankheiten nicht immer so auffallend, dass sie der Practiker so 
gleich erkennen könnte. Oft liegen sie verborgen und nur der Ge 
übte sieht gleich denversteckten Feind, von dessen Entfernung die 
Heilung abhängt. So werden z. B. Wöchnerinnen von den epide 
mischen Einflüssen zunächst und im hohen Grade ergriffen. Der 
umsichtige Arzt wird deshalb den Heilplan danach einrichten 
und sich vor Brechmitteln nicht scheuen, w'enn die gerade be 
stehende Krankheitsconstitution diese Mittel anzeigt. B. kennt 
Fälle, wo man ein galliges Kindbettfieber so lange mit Ader 
lässen und Salpeteremulsionen behandelte, bis in Folge der 
Asthenie der Tod eintrat. Aber auch Temperament, Körpercon 
stitution, so wie jede Anlage zu chronischen Krankheiten hat 
man dabei zu berücksichtigen. Auf Leber- und Milzsüchtige 
wirkt z. B. der gastrische Krankheitsgenius früher ein als aut 
Lungensüchtige; daher werden auch jene vom Wechselfieber 
und der epidemischen Cholera vorzugsweise befallen. Jeder 
Arzt hat gewiss schon erfahren, dass einige Körperconstitutio 
nen vor anderen dem gerade herrschenden Krankheitsgenius 
unterliegen. So wird die Venös-atrabilarische vorzugsweise vom 
gastrischen, die phlegmatisch-cellulöse vom erysipelatösen, die 
muskulös-arteriöse vom rheumatischen und die venös-lymphati 
sche vom katarrhalischen Krankheitsgenius ergriffen. Hiervon 
kann man sich besonders während der Herrschaft einzelner 
Epidemieen überzeugen und wer Beobachtungen in der Art an 
stellt wird finden, dass bei Seuchen auf die individuelle Con 
stitution sehr viel ankommt. Daher erklärt sich auch, dass oft 
alle Glieder einer Familie wegen erblicher Anlage zu gewissen 
Krankheiten in einer Epidemie hingerafft werden, während An 
dere, die unter denselben Einflüssen standen, entweder ganz 
verschont blieben, oder leichter durchkamen. Wie wichtig es 
ist, bei Uebernahme eines Kranken, besonders in hitzigen Krank 
heiten, vorzüglich auf die erwähnten zwei Hauptinomente: indi-
	        
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