Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

380 IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
oben zu wandern, und zuletzt die Wege der Verdauung un 
mittelbar in Mitleidenschaft zu ziehen schienen. Die Scene be 
gann stets mit durch Gefühl von vermehrter Schwere und un 
behaglicher Hitze erkennbarer Turgescenz der Genitalien: die 
innere Untersuchung fand namentlich in der Gegend des linken 
Ovariums abnorme Spannung, der das subjective Gelühl klop 
fender Unruhe in jener Gegend entsprach. Diese krankhaften 
Symptome theilten sich allmählich der Umgegend mit, verur 
sachten zuletzt im untern hintern Tlieile der epigastrischen Ge 
gend Auftreibung, die einige Male dem Auge allein schon deut 
lich wahrnehmbar war. Unter auf Ablagerung eines Apostenis 
in jener Gegend hindeutenden Symptomen traten Bangigkeiten, 
erschwertes Alhmen und das schon oben erwähnte gesteigerte 
Krankheitsgefühl ein, das zuletzt unter ganz leichtem Erbrechen 
zu verschiedenen Malen Ausscheidung der mehr erwähnten 
häutigen Gebilde zu Folge hatte. Diese waren sowohl der 
Menge, als der natürlichen Beschaffenheit wegen merkwürdig» 
In einer oft 1 Maas erreichenden, serösen molkenartig aussehen 
den Flüssigkeit von wenig ausgezeichnetem Geschmacke und 
nur durch einzelne auf niederer Bildungsstufe stehende eiterige Haut- 
Granulationen getrübt,schwamm ein Convolut von ganz verschieden 
artig geformten häutigen Bildungen. Manche Partien waren bandar 
tigin die Länge gestreckt, andere die Grösse einer flachen Hand um 
fassend, sämintlich mit filamentösen Rändern versehen. Die Mem 
branen selbst waren durchsichtig, fest und ziemlich dünn, und 
näherten sich in ihrer Textur unverkennbar dem Chorion. War 
allemal ein solcher ßrechanfall vorüber, so schwanden die Zu 
fälle der frühem Aufregung allmählig wieder, und Pat. konnte 
mehrere Monate sich eines durch keine bedenkliche Krankheits- 
Erscheinungen getrübten Wohlbefindens erfreuen, bis wieder 
eine neue ähnliche Katastrophe drohte. — Diese merkwürdige 
Kranke wurde von mehreren der angesehensten Aerzte Berlins 
beobachtet. Die Diagnose festzusetzen musste schwer seyn, da 
man von den Aerzten so verschiedene Ansichten über dieses 
Uebel hörte. Einem erschien es als Krankheit des Magens 
oder der ersten Wege der Verdauung, Andere suchten den 
Grund in Infarctenbildung, und wieder Andere fanden in ei 
nem, in der Tiefe des Unterleibes gebildeten, zeitweise zuin 
Aufbruche angereiften Apostem Erklärung für diese sonderbaren 
Züfälle. Bei so unsichrer Diagnose konnte ein gleich unsicheres 
Heilverfahren nur einen entsprechend unvollkommnen Heilzweck 
erreichen, und da man nicht einmal das System, viel weniger 
das Organ, das bei dieser Erkrankung eine vorzugsweise pa 
thogenetische Bedeutung hatte, bestimmt he^ausfand, konnte 
von einer direct einwirkenden Heilmethode keine Rede sein» 
Bei diesem Stande der Sachen wendete sich Pat. an Malfatti 
in Wien, den sie in Carlsbad kennen gelernt und von dem sie 
erfahren, dass er früher eine ähnliche Patientin mit Erfolge be-
	        
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