Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
nicht unnöthig Treppen steigen, nicht zu viel gehen und g at 
nicht fahren müsse. Als Arznei bekam sie Krystallwasset 
(Crem. tart. in Hqit. font. q. solvitur) zum täglichen Getränke* 
Ueberdies sollte sie auf den leisesten Schmerz im Unterleibe 
und Kreuze, so wie auf die geringste Störung in ihrem Befi"' 
den achten, das Krystallwasser aber pünctlich jeden Tag und 
in ziemlich gleicher Menge trinken, wenn auch das Wohlbefin* 
den dasselbe bliebe. Nach der 8. Woche vom letzten Monats' 
flusse stellten sich Uebelkeiten, Leib- und Rückenschmerzen 
und Bleischwere in den Beinen ein. Eines bekannten hipp 0 ' 
cratischen Ausspruchs ungeachtet wurde sofort die Medianve®® 
geöffnet und nächstdein Pillen verordnet: IIec. Elix. actd• 
Hall. 5jj Pulv. rad. Alth. q. s. ad «lass, pilul. in CXX 
part. aequal., Polline Lycop. conspcrgend., elivid. D. & 
Alle 2 Stunden 10 Stück zu nehmen. Die Leib- und Kreuz' 
schmerzen verschwanden, fauden sich aber nach einiger Zeit 
und oft wieder ein und forderten den Verf. jedes Mal zu eint» 1 
ableitenden Aderlässe auf, da er diese zur Gewohnheit gewor- 
dene krankhafte Blutcongestion nach den Genitalien nur aut 
solche Weise künftig aufheben oder vermindert! zu können 
glaubte. Auch hatte der erste Aderlass auffallend gut gewirkt 
und viel dunkles, dickes Blut entleert. Bei Wiederholung des' 
selben wollte D. nicht so sehr die Blutmasse verringern, als 
eine andere Richtung in ihrem Laufe hervorbringen, um Er 
nährung und Wachsthum des Kindes nicht zu beeinträchtigen* 
Das Federbett musste die Frau mit Matratze vertauschen, statt 
der halb aufrechten Lage in demselben eine mehr horizontal® 
annehmen und sich mit baumwollener Ueberlage bedecken. 
Den Beischlaf widerrieth D. nach Mauriceau als durchaus 
nachtheilig auf längere Zeit ganz und gar und er konnte auf 
Folgsamkeit bei der vernünftigen Frau um so sicherer rechnen, 
als ihr sehnlichster Wunsch, endlich Mutter zu werden, in Er 
füllung gehen zu wollen schien. Bei strenger Diät wurden 
die sauren Pillen immer fortgebraucht, doch nicht mehr so häuiig 
des Tags, wie Anfangs. Ausgang Julys wurde die schon be 
lauschte erste Kindesbewegung bemerkt. Magere Kost, Fort- 
gebrauch der Hallerschen Säure in immer spärlicherer und sel 
tenerer Gabe und gewissenhafte diätetische Haltung wirkten er- 
spriesslich auf die Schwangere, die sich sehr wohl befand, seht 
munter war und am ganzen Körper stärker wurde. Am 14. 
Dec. Abends 11 Uhr wurde D. gerufen. Die Frau erzählt® 
ihm, dass sie seit 2 Tagen wehenartige Leibschmerzen fühle» 
die aber nur zuweilen gekommen und gelinde gewesen wären. 
Seit Abends 6 Uhr sprächen sich aber die Wehen vernehmli 
cher aus, auch sey etwas Wasser schon abgegangen. Unter 
diesen Umständen verschrieb D. zur Beförderung der Wehe® : 
Ree. Tinct. Castor. angl. Tinct. Cinnam. acut. aa. 5j/“? 
S. Alle Stunden 30 Tropfen in Chamiilenthee. Am nächste 11
	        
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