Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

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III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
ziindung in dem Theile des Bauchfells ausgebildet habe, das 
" e n genannten Muskeln aulliegt und dass die benachbarten 
»heile vom Krankheitsprocesse secundär mit ergriffen wären. 
Man stellte nun folgende Anzeigen fest: 1) die Kräfte aufrecht 
Zu halten; 2) Gefahr drohende Zufälle zu entfernen und 3) 
dem sich bildenden Eiter bald einen Ausweg zu verschaffen. 
Es wurde daher fortwährend die Gegend unter- und oberhalb 
des Leistenbandes mit erweichenden Umschlägen belegt, inner- 
hch zur Aufrechterhaltung der Kräfte nach Umständen: Rheum 
Columba, Cascar. Calam. Caryoph., mit sehr nahrhafter aber 
leicht verdaulicher Kost, gereicht, gegen die krampfhaften Zu 
fälle Vulcr. Castor, Ipecac. Zinc. oxyd. etc. angew'endet und 
besonders darauf gesehen, dass Pat. den Schlaf nicht ganz ent 
behre. In dieser Hinsicht wirkte das Morphium acetic. vor- 
trelllich und wenn es auch K. zur Abwechselung manchmal 
mit Opium und Lactucariuin gebrauchte, so muss er doch letz 
terem vorwerfen, dass es nicht so kräftig wirkte, und dem 
Opium, dass es vor der gewünschten Wirkung gar zu heftig 
aufregte, was man nach dem Morphium gar nicht bemerkte. 
Pat. verlangte daher auch nur immer dringend das letztere. 
Ein unangenehmer Zufall blieb übrigens während der ganzen 
Krankheit, dass Verstopfung und heftige Diarrhöe immer mit 
e| nander wechselten. So schritt das Uebel nun in seinem Gange 
f°rt, das Abendfieber war bald stärker, bald schwächer, die 
Morgenschweisse immer sehr profus, die Esslust verlor sich 
•'ach und nach, die Kräfte sanken bald so, dass Pat. getragen 
"'erden musste und dabei magerte sie sichtlich ab. Jetzt ent 
wickelte sich ganz langsam in der Lendengegend eine Geschwulst, 
•o der'sich häufig Klopfen und Stechen spüren Hess und end 
lich erschien eine zweite Geschwulst an der obern vordem Flä 
che des Oberschenkels, die sehr schmerzte und endlich durch 
fortwährende Anwendung von Umschlägen dahin kam, dass man 
«m 20. Mai in ihr undeutliches Schwappen bemerkte. Weil 
K. Eitersenkungen und Fistelgänge am Schenkel fürchtete, so 
eröffnet«* er den Abscess, indem er die Decken der Abscess- 
l'Öhle in der Dicke eines halben Zolls durchschnitt. Eingedenk 
der Angaben R u s t’s wusste der Verf. den Nachtheil, den nach 
altern Ansichten Eindringen der Luft in grosse Abscesshöhlen 
haben soll, wohl zu würdigen und denselben durchaus nicht 
fürchtend, erweiterte er die Oeffnung mit dem Fistelmesser bis 
zur Länge von 1| Z. und sofort wurden gegen 5 Unzen eines 
dicken, gelben und geruchlosen Eiters entleert. Gleich nach 
Eröffnung des Abscesses befand sich Pat. besser und schon 
fach 4 Tagen blieb zum ersten Male das Abendfieber aus, auch 
Wrlor der Harn die erwähnte Beschaffenheit. Wurde gleich 
am zweiten Tage nach der Abscessöffnung dünner, übelriechen 
der Eiter ausgeleert, so besserte sich doch in den folgenden 
Tagen die Beschaffenheit desselben, wenn auch die Menge noch
	        
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