Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

362 III. Chirurgie und Ophthalmologie. 
hartnäckige Wechselfieber unterhielt. In dieser Ueberzeugung 
legte er Blutegel und Blasenpflaster, liess EIng. mcrc, einreiben, 
gab innerlich Calom. mit Cicuta und zog, da er eine zweifel 
hafte Prognose stellen musste, den Dr. Jo h an k n e ch t zur 
Consultation. Dieser hatte dieselbe Ansicht, meinte aber doch, 
dass es gut sei, die China nochmals zu geben. Es wurde da 
her ein Dcc. Chin. rubr. mit Chinium purum wiederholt ange 
wendet, doch vergebens, wie auch die frühem Versuche nicht 
anders erwarten Hessen. Statt der gewünschten Unterdrückung 
des Fiebers traten furchtbare klonische Krämpfe, Delirien, Er 
stickungsanfälle und heftige Diarrhöe ein, welche letztere nach 
jedem Gebrauche der China sofort erschien, und zwar auch 
dann, wenn Opium, Ipecac,, Columba elc. damit verbunden 
wurden. Die fieberfreien Zeiten waren indess jetzt noch sehr 
rein. Der Appetit blieb fortwährend ziemlich gut, die Zunge 
war rein und die Kranke immer noch besser genährt, als man 
bei einer so beschwerlichen Krankheit von 7 Wochen hätte er 
warten sollen. Allmählich verminderte sich die Fähigkeit, die 
rechte Unterextremiuit aufzuheben und niederzusetzen, immer 
mehr, Gehen und Stehen war nur noch bei nach vorne gebeug 
tem Körper möglich, es stellten sich Stiche in der rechten Seite 
des grossen Beckens und der Leistengegend ein und das Fieber 
nahm deutlich den Character einer Febris suppurutoria an. 
Die innere Untersuchung zeigte die erwähnte Geschwulst gros- 
sentheils verschw unden, wohl aber iiihlte man äusserlich auf 
der innern Fläche des rechten Darmbeins bis zur Wirbelsäule 
hin eine Geschwulst, die tief herein in den Bauch ging und 
womit die strangartigen Härten in der Leistengegend immer 
mehr verschmolzen. Ganz eigenthiimlich verhielt sich von jetzt 
an. und fast bis zum Ende der Krankheit der Urin. Wenn 
nämlich Pat. Nachmittags den ersten Schauer, der den Eintritt 
des Fiebers bezeichnete, empfand, verspürte sie auch Drang 
zum Harnlassen. Der Harn wurde nun sehr oft und in klei 
nen Mengen gelassen, w'obei er ein peinigendes Geiiihl von 
Brennen machte. Er sah dunkelroth aus und nachdem er etwa 
5 Minuten gestanden, hatte sich Bodensatz gebildet, der die 
Hälfte des Glases füllte und die grösste Aehnlichkeit mit Eiter 
hatte. Sobald der Schweiss erschien, wurde der Harn wasser 
hell und konnte leicht gelassen werden. Dabei war der Puls 
fortwährend gereizt und hatte in der Apyrexie 80 — 85, im 
Anfalle aber wohl 90 —100 Schläge. Nach Allem w aren die 
Beugemuskeln des Oberschenkels, der 31. psoas und der M. 
iliacus internus in die krankhafte Metamorphose mit hineinge- 
zogen und K. trug gar kein Bedenken, das Uebel nunmehr 
Psoitis zu nennen, die schon in Eiterung übergegangen sei. 
Johanknecht hielt sich hierzu zwar noch nicht berechtigt, 
gab aber gern zu, dass die genannten Muskeln litten. Auch 
darin stimmten Beide überein, dass sich eine schleichende Ent-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.