Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

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II. Materia medica und Toxikologie. 
Glase guten Weines im Magen folgt. Dies Gefühl ist dem 
Weingeiste keineswegs zuzuschreiben, da Alcohol mit Wasser 
,n > gleichen Verhältnisse ein solches nicht anregt und auch ein 
faches Augentrostwasser ähnlich, wenn gleich weniger bemerk 
bar, angenehm wirkt. Diese wohlthuende Wirkung veranl'.asste 
den Verf. auch noch einen Spir. hb. jlor. Euphrastae oj'jici- 
nalis, wie folgt, bereiten zu lassen: 4 Pf. des blühenden Au 
gentrostes werden mit 8 Pf. Wasser übergossen und davon bei 
«ehr gelinder Wärme 2 Pfund abdestillirt. Das Abdestillirte 
wird in kleinen wohl zu verstopfenden Gläsern an einem dun 
keln kühlen Orte als: Spir. hb. jlarid. Etiphr. of/ic. aufbe- 
Wahrt. Den Beobachtungen der Botaniker nach kommt di e E, 
officinalis bei uns blühend, also normal entwickelt, nicht nur im 
Juli, sondern auch im August, ja sogar im Sept. vor. Wäre 
nun die im Septbr. blühende Pflanze eben so wirksam, wie die 
in den frühem Monaten vorkominende, so wäre es der grossen 
Zersetzbarkeit der Zubereitungen wegen zweckmässig, die für 
Winter und Frühjahr bestimmten von der zuletzt blühenden 
Pflanze bereiten zu lassen. — Bei Bestimmung der Gabe bo 
ten die frühem Beobachtungen nichts weiter dar, als dass sie, 
eine Zubereitung von einem stark wirkenden Kraute, ganz mäs- 
sig seyn müsse. Das getrocknete Kraut hatte man täglich zu 
1> 2, 3 Drachmen gereicht und so auch von den Conserven, 
Vom Exfracte und vom Weine eine grössere Gabe. Doch hatte 
nach Geoftroy u. A. ein Schweizer durch übermässigen Ge 
brauch des Euphrasienweines das Gesicht, statt es zu verbes 
sern, fast ganz verloren. Der Verf. beschloss, die Tinctur Er 
wachsenen alle 12 — 24 Stunden zu 1 — 2 Tropfen zu geben 
und damit, wenn keine Wirkung eintreten sollte, zu steigen. 
Das Wasser Hess er, wie jedes andere Augenwasser, 3 — 4 
Mal täglich anwenden, das concentrirte dagegen bald in den 
hohlen Händen verreiben und dicht vor die geöffneten Augen 
halten, bald damit auch die Umgebungen der Augen befeuchten. 
Den Spiritus wird er um die Augen herum, besonders über den 
Augenbrauen, in der Schläfengegend und unter dem untern 
Lide einreiben und in geeigneten Fällen wohl auch, wie die 
■rirpta concenlrata an wenden lassen. Wo Augenkisschen ange 
zeigt sind, lässt K. das getrocknete Kraut allein, oder mit Flie 
der und andern Kräutern zu gleichen Theilen versetzen und in 
den Kisschen vor die Augen hängen. — Was die specielle 
■Anzeige zum Gebrauche der E. ofjicinalis anlangt , so besitzt 
selbige nach den Beobachtungen des Verfs. ausgezeichnete Wir- 
’ kung auf die Schleimhäute und ist von besonderer Wirksam 
keit gegen katarrhalische, meist von Erkältung entstandene Af- 
fection derselben. Im Anfänge jedes catarrhalischen Uebels fin 
det sich grössere Erregung der Nerven, falsches Gefühl von 
grösserem Wohlseyn als gewöhnlich und Hemmung der Thätig- 
keit der Blutgefässe. Später wird, wie dies bei jedem dyna-
	        
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