Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

344 II. Materia medica und Toxikologie. 
überzeugte sich schon dadurch, dass sie von ungewöhnlicher 
Wirkung auf den erkrankten Organismus seyn müsse und wei 
tere Nachforschungen und eigene Versuche bestätigten dies auch 
ganz. Die verschiedenen vom Volke und von Gelehrten dieser 
Pflanze beigelegten Namen sind aber von Krankheiten, in wel 
chen sie wohlthätig ist, hergenommen. Fast alle diese Namen 
sprechen für speeifische Wirknng aut die Augen; einige von 
denselben: z. B., Hirnkraut, deuten auf besondere Beziehung 
zum Gehirn hin und der Name: Milchdieb scheint anzuzeigen, 
dass sie auch in eigenthiimlichen Beziehungen zu den Milch 
drüsen stehe. Es kommen von der Euphrasia 14 besondere 
Arten und einige Abarten vor und unter jenen auch ein Zahn 
trost: E. odoniilcs. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass, 
wie die E. ofßcindlia in besonderer Beziehung zu den Schleim 
häuten des Auges, der Nase und des Hirns steht und die Eu- 
phr. odontites speeifische Wirkung auf die Schleimgebilde des 
Mundes äussert, alle andern Species dieser Pflanze in besonde 
ren Beziehungen entweder zu denselben Gebilden, oder den 
Schleimhäuten anderer Theile stehen. Nach dem, was Plinius, 
Hieronymus Bock, Jo. Franci, Leonh. Fuchs, P. A. 
Matthiolus, Loeselius, Taberna emontan u s, Pan- 
covius, Blackwell, Tournefort, Barth, Zorn, La Fo 
rest, Triller, Geoffroy, Schröder, Raziusund neuer 
lich die Homöopathen über die Euphrasia mitgetheilt haben, ergiebt 
sich deutlich eine speeifische Wirkung derselben zunächst auf Hirn 
Und Augen, sodann aber aucli auf die Eingeweide des Unterleibs 
und besondersauf die Leber. Nähere Erwägung der Erscheinun 
gen bei ihrem Gebrauche lehrt ferner, dass sie zunächst nicht auf 
das Hirn selbst, sondern aut die Häute desselben, also auf die der 
Vegetation vorstehenden Gebilde einwirkt, w as auch von den Au 
gen gilt, an denen, weil sie der Beobachtung am offensten da 
liegen, am besten zu erforschen ist, mit welcher der verschie 
denen Häute das Medicament in nächster, d. i. in specifischer 
Beziehung steht. Offenbar ist die Euphrasia besonders in allen 
Uebeln heilsam gewesen, die ihren Sitz in den Schleimhäuten 
hatten, wie ein Blick auf die damit geheilten Leiden zeigt. 
Diese Winkt dienten dem Verf. bei den Versuchen, die er da 
mit beabsichtigte, zur Richtschnur. Vor Allem handelte es sich 
aber uni die Form, unter der das Mittel gegeben werden sollte. 
Die Alten wendeten die Euphrasia an : 1) als frisch ausgepress 
ten Saft, 2) als Cons.erve, 3) als Extract, 4) als Pulver, 5) als 
Augentrostwein und 6) als destillirtes Wasser. Am wirksam 
sten unter diesen Zubereitungen war wohl unstreitig der frisch 
ausgepresste Saft und die Conserve, die, frisch bereitet, alle 
heilsamen Theile der Pflanze in sich vereinigte, — aber der 
frisch ausgepresste Saft verdirbt schon nach einigen Tagen und 
auch die Euphrasienconserve musste, w ie alle Conserven, wegen 
der Gährung durch den Zucker, nach und nach die Wirksam-
	        
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