Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

326 I. Pathologie, Therapie und medlclnlsche Klinik. 
verbrechen In höherem Grade nie bei Männern beobachtet, die 
leidenschaftlich den ganzen Tag Taback kauen. Nach Brück 
ner ist nur das mittlere Alter diesem Leiden unterworfen und 
der Yerf. hat dasselbe wahrgenommen. Der Anfang des Be 
bels ist meist sehr unbedeutend. Eine oder einige Stunden nach 
dem Essen stellt sich unter Kecken der Glieder und Gälinen 
Schmerz in der Präcordialgegend ein, der anfangs drückend ist, 
bald aber kneipend wird, als drückte man den Magen mit den 
Händen zusammen. Dabei läuft der Speichel in Menge im Munde 
zusammen und Pat. fühlt bald Neigung zum Aufstossen, wodurch 
der Anfall nach und nach beendigt wird. Dies erste Stadium 
währt meist nur einige Tage, selten mehrere Wochen. Uebri- 
gens zeigen sich in der Kegel keine Symptome von gestörter 
Verdauung, weder belegte Zunge, oder Ekel, noch unangeneh 
mer Geschmack. Im Gegentheile bleibt der Appetit im ganzen 
Verlaufe der Krankheit gut. Nicht so die Dannausleerungen. 
Meist ist Verstopfung, selten nur sind kleine Durchfälle zuge 
gen. Im zweiten Stadium stellt sich das Uebel nach jeder voll 
kommenen Mahlzeit wieder ein und nimmt zu an Dauer und 
Heftigkeit. Es bleibt nicht mehr bei blosser Salivation und 
Aufstossen von Blähungen, sondern nach dem Ausflusse des 
Speichels erlolgt wirkliches Erbrechen, wodurch reichlich kla 
res, wenig schleimigtes Wasser ausgeleert wird. Dadurch wird 
der Anfall allmählig gehoben und der Schinerz erleichtert und 
so ganz beseitigt, dass ausser dem Anfalle das Befinden ganz 
gut ist. Im 3. Stadio wird der Anfall immer häufiger und er 
folgt nach jedem irgend bedeutenden Genüsse fester Speisen. 
Mit dem Wasser wird nun auch ein Theil der Speisen ausge 
brochen. Endlich steigt das Uebel so, dass fast alles Genossene 
ohne Unterschied, doch immer noch mit vielem Wasser ausge 
brochen wird. In dieser Form währt das Uebel oft viele Jahre 
lang fort und die Kranken werden dabei mager und kraftlos. 
Dies ist nach Briickner’s und des Verf. Erfahrungen der 
reine einfache Verlauf und zugleich die häufigste Form, unter 
der das Uebel erscheint. Weniger constante, doch auch nicht 
seltene Symptome desselben sind noch: mehr oder w eniger be 
merkbare Geschwulst-Anspannung der Magengegend, besonderes 
Kitzeln in der Handfläche, Knurren, Poltern im Magen, grün 
liche Farbe und leicht bitterer Geschmack oder saurer Geruch 
des ausgebrochenen W'assers. Der sehr scharfe saure Ge 
schmack dieses Wassers ist allerdings nicht ungewöhnlich, so 
dass manche Autoren denselben als beständiges Zeichen ange 
nommen und deswegen das Uebel als Form von Pyrosis be 
trachtet haben, doch wohl mit Unrecht, da das Wass-r meist 
ohne Farbe, Geschmack oder Geruch ist und wahrscheinlich 
alle diese unbeständigen Symptome nur Folgen verschiedener 
Complicationen sind. Denn obgleich die einfache Form die häu 
figste ist, so kommt doch nicht selten die Krankheit mit an-
	        
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