Full text: (Neueste Folge, Band 4 = 1837, No 1-No 8)

313 
IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
Nachdem er durchgetreten, machte die Lösung; der Arme viel 
Mühe, und nun blieb der grosse Kopf im Beckeneingange ste 
cken. Dazu gesellte sich noch eine innere Metrorrhagie mit so 
schnellem Sinken der Kräfte, mit Delirien und einem fürchter- 
hclien Trismus, dass nur durch die stärksten Analeptica und 
durch fortgesetztes Operiren das Leben noch eine Zeit lang er 
halten werden konnte. Endlich gelang es mit der blossen Hand, 
den Kopf tiefer aus dem Eingänge herabzuziehen und die 
Schwere Geburt zu beendigen. Das Todtgeborne war 7 Pfund 
schwer und hatte einen zu grossen Kopf. Die Mutter starb 
den 4. Tag. — 3) Einer Erstgebärenden waren nach einer 
schwierigen Zangengeburt die untern Extremitäten, die Blase 
Und der Mastdarm gelähmt und dazu gesellte sich noch ein ent 
zündliches Puerperallieber. Dennoch genas die Wöchnerin voll 
kommen, obschon die Epidemie des Kindbettliebers am gefähr 
lichsten wüthete. — 4) Eine äusserst cachectische Person von 
30 Jahren hatte bereits 4 Mal geboren und hatte einen vollkom 
menen Vorfall und Umstülpung der Scheide, weshalb sie ein 
Mutterkränzchen trug. Als sie in die Gebäranstalt kam, war 
die Geburt im 2. Zeiträume. Vor der äussern Scham sah man 
eine 4 Zoll lange und breite, glänzende, gespannte, schmerz 
hafte, oben fleischrothe, unten dunkelrothe, hie und da schwärz 
liche Geschwulst, an deren unterm Ende eine ringsum stark 
entzündete, unebene, schmerzhafte, stark exeoriirte Oeffnung 
sich befand, die in einen 4 Zoll langen Kanal (die Vagina) 
führte, an dessen oberen Ende man den sehr w'enig geöffneten, 
stark gespannten, dünnen Muttermund fühlte. Nach 6stiindigen 
fruchtlosen Bemühungen musste die Scheide an mehreren Stel 
len scarificirt werden, worauf sie zusammensank, wie auch die 
Kraft der Kreissenden. Zuvörderst musste der Muttermund 
künstlich erweitert werden und nun gelang es unter Mühe und 
stetem Comprimiren des Scheidenvorfalles ein scheintodtes, star 
kes Kind mit der Zange zu entwickeln. Wegen einer bedeu 
tenden Metrorrhagie musste die Placenta gelöst und später Kal 
tes umgeschlagen werden. Das Kind war ins Leben zurückge 
kehrt; aber bei der Mutter schritt der Brand rasch vorwärts 
und in den letzten Lebensmomenten reponirte sie sich den Vor 
fall äusserst rasch. — Die Lösung des Mutterkuchens 
■wurde überhaupt 16 Mal effectuirt, 2 Mal mit tödtlichem Er 
folge, indem sicli rasch das bösartigste Puerallieber darauf ent 
wickelte. Majon’s Methode, durch Einspritzen kalten Was 
sers in die Nnbelvene, wurde ein Mal versucht; aber die Pla 
centa kam nicht, indem die Adhäsion grösser und inniger war, 
als man vermuthet. Das Kindbettfieber hatte im Oct. und 
März die grösste In - und Extension erreicht und ralfte die kräf 
tigsten Individuen weg. Die Zahl der erkrankten Mütter be 
lief sich auf 463 , von denen 92 am Kindl^ettlieber litten. Von 
100 Müttern sind fast 9, von 100 kranken Müttern 22 gestor-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.